Jun
22
17

Du fehlst mir.

Ich drücke sie, winke ihr kurz hinterher und mache mich dann schwerfällig zurück auf den Weg in mein Airbnb. Die Sonne scheint, aber darauf habe ich keine Lust. Lachende Menschen laufen mit einem Eis in der Hand an mir vorbei. Reflexartig wechsle ich die Straßenseite und laufe für mich allein weiter. Im Schatten.
Die Stufen bis in den 3. Stock quäle ich mich nur noch und mir laufen ein paar kleine Tränen über die Wangen. Draußen lachen Sonne und Menschen gemeinsam um die Wette und ich weiß, dass ich mich einfach anschließen sollte. Aber in mir ist ein kleiner Teil zerbrochen.

Auf meinem Zimmer angekommen mache ich das Fenster und die Vorhänge zu, lege mich auf das Bett und ziehe die Decke weit über meinen Kopf. Dunkelheit legt sich über mich und gibt meinem hämmernden Gedanken ein bisschen Ruhe.
Meine Hand streicht langsam über die Decke, als würde sie jemanden suchen. Aber ich bin allein in diese Stadt gefahren. „Du fehlst mir.“, flüstere ich leise.

Ich hätte diesen Schmerz nicht so hart und schnell erwartet. Ich wusste nicht mehr wie es sich anfühlt. Als wäre ein Teil von mir einfach verschwunden. Als hätte ihn jemand aus meiner Brust gerissen. So leise und unauffällig, dass ich erst einen Tag später verletzt zusammenbreche.
Unvollständig. Allein. Nicht richtig bei der Sache. Traurig. Verletzlich.

Letztendlich war es meine eigene Entscheidung, sage ich mir immer wieder. Aber dann höre ich sie wieder die Gedanken und kann sie nicht verdrängen. „Du fehlst mir.“, flüstere ich leise. Und die Dunkelheit bleibt weiter über mir. Wie ein wachsamer Schatten, eine schützende Hand bist du trotzdem bei mir.

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3 COMMENTS
Chantal

Mehr als wunderschön geschrieben, kann deine Gefühle so stark nachvollziehen, da ich selbst momentan in der Situation bin jmd zu vermissen und mich mehr als einsam fühle. Auch wenn man dann mit seinen Gedanken allein ist tut es gut sich einfach zurückzuziehen und sich so vieles klar zu werden. An solchen Erlebnissen wächst man nur und werden es überstehen.
Du hast echt ein wunderbaren Blog!

Danke dir und es wird alles gut 🙂

Fabienne

Ich weine weil mich durch deinen Text die ganzen Gefühle der Angst und Einsamkeit überrollt haben. So berührende Worte die du schreibst…ich kann jedes Wort fühlen da ich auch jemanden sehr stark vermisse das es mich innerlich zerreißt. Ich bewundere dich von ganzem Herzen. Liebe Grüße und ich wünsche dir nur das beste .

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