Das Internet hat langsam angefangen mich aufzufressen. Ich fragte mich immer wieder, wo der Sinn geblieben ist und nicht nur einmal stand einfach nur ein großes „Warum“, mit einem noch größeren Fragezeichen vor mir.
Mir ist relativ schnell bewusst geworden, warum ich meine Gedanken hier auf diesem Blog mit euch teile. Ich möchte ein Stück weit verstanden werden, genauso wie ihr euch ein Stück weit verstanden fühlen sollt. Aber darüber habe ich schon oft genug geschrieben. Das Problem lag bei Instagram.

Es lag irgendwo zwischen der Selbstdarstellung und der heilen Welt die ich täglich konsumiert, aber auch verbreitet habe. Zwischen dem 1000. toten Foto ohne Aussage und unendlich vielen Stunden vor dem leuchtenden Bildschirm. Ich hatte einfach keine Lust mehr.

Warum lassen wir uns selbst von einer Internetcommunity bewerten? Seit wann bestimmen Likes und Follower über unser Selbstwertgefühl? Wieso stecken wir mehr Zeit in einem Instagramaccount, als zum Beispiel in reale Freundschaften? Und weshalb spielt jeder von uns mit?

So viele Fragen auf die ich keine Antworten mehr finden konnte. Mir war nur klar, dass ich etwas Abstand von dieser Welt brauche und für einen kurzen Moment aussteigen möchte. Also beschloss ich kurzerhand in Schottland für 2 Wochen das Handy komplett auszuschalten.
Kein Instagram, welches mir sagt ich bin nicht gut genug, nur weil ich diese Woche noch nicht verreist bin, oder ein Frühstück am Pool genossen habe. Kein WhatsApp worüber ich mich aufregen könnte, weil sich die Nachrichtenanzahl schon wieder sammelt und keiner mehr anruft. Keine E-Mails die mich auf der Wanderung an Arbeit erinnern könnten. Nichts.

Ab dem ersten Kilometer schaltete ich mein Handy komplett aus und fühlte mich richtig wohl damit. Zumindest für eine kurze Weile.

Ich hatte damit gerechnet, dass eine Art Entzugserscheinung auftreten würde. Das verraten einem immerhin sämtliche Artikel von Menschen, die ebenfalls das Experiment gewagt hatten. Ich hatte sie bloß ein kleines bisschen anders erwartet.

Wir wanderten also los, über die 1. Nacht im Zelt habe ich euch schon berichtet. Sie war fürchterlich und ich war am Abend ziemlich niedergeschlagen. Obwohl niedergeschlagen vielleicht das falsche Wort ist, ich hatte einfach keine Motivation mehr. Und genau in diesem Moment hätte ich gern meinen Freund angerufen.
Ich hätte gern mein Handy wieder angemacht, nicht weil ich irgendwelche sozialen Medien vermisse, sondern weil ich einfach Heimweh hatte und gern ein paar aufmunternde Worte gehört hätte. Aber genau das ging ja jetzt irgendwo nicht mehr.

Diese Situation führte aber dazu, dass ich mir in den nächsten Tagen viele Gedanken über diese Auszeit gemacht habe. Zwischen Heimweh und dem puren Genuss keine Verpflichtungen, welche das Handy bis zu einem bestimmten Punkt mit sich bringt, dachte ich über meinen sozialen Konsum im Internet nach.
Vor diesem Digital Detox erwartete ich Angst zu bekommen, etwas wichtiges zu verpassen. Ich erwartete eine Unruhe in mir, weil ich das Handy nicht in die Hand nehmen konnte, vielleicht sogar einen unbewussten Griff zur Hosentasche. Doch ich bekam genau das Gegenteil.

Tagsüber erlebten wir so viele Dinge zusammen, ich bekam nicht einmal die Zeit dafür, um über diese Belanglosigkeiten nachzudenken. Wir wanderten, fotografierten, führten tolle Gespräche und ich konnte jeden Moment bewusst erleben. Das hat gut getan.
Erst am Abend, als wir langsam in den Hostels ankamen und ich meinen Freund vermisste, als wir an einem Tisch mit anderen Wanderern saßen und sie auf ihre Smartphones schauten, bekam ich das Bedürfnis zu telefonieren.

Also beschloss ich einen Versuch zu wagen. Ich meine, ich bin immer noch erwachsen und kann meine eigenen Entscheidungen treffen. Ich muss mich nicht mehr durch Situationen quälen die ich nicht haben möchte, ich bin frei mit mir und meinen Tätigkeiten. 

Einen Telefonanruf später erinnerte ich mich schließlich an diesen Podcast von Lina Mallon. Sie befasst sich darin ebenfalls mit der Problematik einer sozialen Auszeit und hat ebenfalls Probleme den richtigen Umgang mit dem Handy für sich zu finden, ohne am Ende jeden Tages unglücklich zu sein.

Kurz zusammengefasst spricht sie die Gedanken aus, welche mir in den letzten Tagen immer wieder durch den Kopf geschwirrt sind, ich konnte sie bloß nicht richtig fassen. Was bringt mir etwas Digital Detox, wenn ich nach 2 Wochen Auszeit den gleichen Konsum wieder aufnehme und nichts daraus gelernt habe? Wäre es nicht sinnvoller mir vorher zu überlegen, wie ich weitermachen möchte?

Ich habe mein Handy ausgeschalten, weil es mir einfach zu viel geworden ist – weiß aber von mir selbst ganz genau, dass ich nach diesen 2 Wochen wieder wie ein Zombie davor gesessen hätte. Es ist dieses ausgelaugte Gefühl, welches ich nicht mag und vermeiden möchte, weshalb ich begann mich mit meinem eigenen Umgang zu befassen.

Schlussendlich muss jeder von uns diese Sache mit sich selbst klären. Lina hat sich zwei Accounts gemacht, einen für die Arbeit und einen privaten, damit kann sie besser Abstand nehmen. Andere schalten ihr Handy für ein paar Stunden am Tag komplett aus, oder lassen es im Flugmodus.
Ich für meinen Teil habe es während der Wanderung tagsüber komplett im Rucksack gelassen, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Dadurch konnte ich die Zeit bewusst genießen und habe mir selbst keinen Druck gemacht. Dafür hatte ich es am Abend in der Hand, um zu telefonieren, Austausch mit FreundInnen zu haben und auch 1-2 Storys hochzuladen.

Währenddessen machte ich mir immer wieder einen Kopf darum, wie ich in Deutschland mit der Technik umgehen möchte und was genau ich jetzt daraus für mich gelernt habe. Eine perfekte Lösung habe ich bis heute nicht gefunden, aber immerhin habe ich mein Problem erkannt.

Für mich reicht keine Auszeit, viel mehr muss ich überdenken wie ich das Handy und seine sozialen Netzwerke in meinen Alltag integrieren möchte. Immerhin ist das irgendwo mein Job, meine Leidenschaft, mein Hobby, nennt es wie ihr wollt.

Wie kann ich bewusster mit meinem Handy umgehen, ohne mich ausgelaugt oder unglücklich zu fühlen?

An dieser Antwort arbeite ich noch und ich finde wir alle sollten an ihr arbeiten. Egal ob Digital Detox, (was ich in diesem Fall überhaupt nicht schlecht reden möchte, sondern einfach nicht das Richtige für mich persönlich war), andere kurze Auszeiten über den Tag verteilt oder vielleicht sogar ein komplettes Aussteigen aus dieser Welt. Irgendwo müssen wir alle lernen mit diesem Druck und der Technik umzugehen, ohne uns dabei selbst zu verlieren. Oder was meint ihr?

Alle Bilder entstanden mit Nora Scholz in der sächsischen Schweiz, danke!

Outfitdetails
Schuhe: Dr. Martens
Kleid: Second Hand

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