Wenn es wohl eine Sache gibt, über die keiner von uns gern spricht und die doch ständig wieder zu einer heiklen Diskussion führt, dann ist es wohl das Ding mit dem Geld. Wir träumen davon, was wir uns davon alles kaufen könnten wenn wir mehr davon besäßen, denn mal ganz ehrlich, niemand hat wohl jemals genügend und wir sind immer kurz vor dem Monatsende wieder gestresst, weil die letzten Euros doch nicht ganz auszureichen scheinen.
Kurz und knapp, Geld scheint zu nerven. Wenn wir wieder neidisch auf das Gehalt unserer FreundInnen schielen, uns darüber aufregen wie teuer doch schon wieder der heutige Einkauf war und warum eigentlich die Preise für eine Kugel Eis schon wieder angestiegen sind. Doch neben diesen ganzen Plagen, welche ein paar simple Scheine und Münzen mit sich bringen, scheint das Geld doch irgendwie der Schlüssel zum Überleben in unserer Gesellschaft zu sein.

Ich habe schon eine Weile die Erfahrung machen müssen, dass sich unser gesamtes Leben um den Konsum zu drehen scheint. In unserer Gesellschaft definiert man sich über Dinge, über Gegenstände, das neue Auto ist genauso ein Statussymbol wie die neue große Uhr am Handgelenk. Wir gehen shoppen, Lebensmittel, Kleidung, Krimskrams und stellen uns damit die Wohnung voll, je größer und schöner diese ist, desto angesehener ist man wohl.
Das ist bei weitem noch nicht alles. Erst vor kurzem führte ich mit einer Freundin die hitzige Diskussion, ob sich das Reisen ebenfalls unter einer Art des Konsum verstehen lässt. Denn irgendwo schauen wir doch ganz begeistert, wenn die FreundInnen aus unserem Umfeld über ihre Urlaube in den fernen Ecken der Welt berichten, während uns eine Reise zur Ostsee nicht wirklich berührt. Klar, kaufen wir in diesem Moment keine greifbaren Dinge (oder muss ich an dieser Stelle auch über Andenken sprechen?), aber selbst Abenteuer und Erfahrungen sind doch eine Art des Konsums, richtig?

Tatsächlich habe ich mich in letzter Zeit auch immer wieder bei Gesprächen ertappt, in denen darüber geschwärmt wurde, was man sich doch sonst noch alles kaufen könnte. „Wenn ich doch mehr Geld hätte“, seufzten wir immer öfter und malten uns aus, wie schön das Leben doch mit einem neuen Regal in der Wohnung und ein paar Nullen mehr auf dem Konto sein könnte.

Konsum bedeutet eine Art Wohlstand und Wohlstand hat man nach unserer Ansicht mit genügend Geld auf dem Konto.

Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass ich überhaupt nicht gut mit Geld umgehen kann. Ich arbeite viel, keine Frage und müsste bei meinem Einkommen theoretisch fest und mit beiden Beinen verankert im Leben stehen, vielleicht sogar mit einer kleinen Rücklage im Gepäck. Leider scheint mein Geld aber auf unerklärliche Weise zu verschwinden (ich bin manchmal der festen Überzeugung, dass es jemand klaut, so schnell verliere ich es wieder) und lässt mich nach unseren Regeln des Ansehens mit ziemlich wenig Wohlstand dastehen.
In ein paar Sätzen der Wahrheit muss ich mir selbst eingestehen, dass ich einfach zu viel konsumiere. Ja, klar, ich beschreibe mich selbst als nachhaltig und reduziere monatlich meinen Kleiderschrank, ich kaufe bewusst und trotzdem einfach immer noch zu viele Kleinigkeiten. Sparen war noch nie richtig mein Ding, weil ich es einfach nicht kann und vielleicht schaue ich gerade deshalb immer wieder wehmütig auf unnötiges Zeug, welches ich mir mit mehr Geld kaufen könnte.

Aber mal ganz ehrlich, warum brauchen wir das überhaupt? Warum werden Menschen immer noch danach beurteilt, wie viel Geld monatlich auf ihrem Konto landet und warum reden wir ständig davon, dass wir uns mehr und mehr und noch mehr kaufen müssen? Woher kommt dieser Drang zum Konsum und zu gewissen Symbolen, welche für mehr Ansehen stehen?
Ich glaube jeder von uns stellt sich selbst gern da und hat den Drang dazu sich zu präsentieren. Das könnte man natürlich auf Eigenschaften wie Mut, Kreativität, oder zum Beispiel Durchhaltevermögen machen, aber diese Eigenschaften sind nun einmal visuell nicht ersichtlich. Dazu kommt, dass vor allem im 18. Jahrhundert der Konsum zu einem gewissen Stand gehörte und sich nicht wie heute jeder Mensch alles in der Masse leisten konnte. In unseren Köpfen scheint automatisch die These zu entstehen, je mehr ich habe, desto mehr bin ich auch wert und aus irgendeinem Grund glauben wir auch bis heute noch fest daran. Natürlich ist das Geld und der Konsum in unserer Gesellschaft ein Thema, welches euch ein gelernter Soziologe besser erklären könnte, als ich, ein naiver Mensch der mit verträumten Blick durch die Welt wandert. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum mein Geld immer auf magische Weise verschwindet, ich kann meinen persönlichen Fokus einfach nicht auf solche Themen wenden und lebe etwas zu entspannt in den nächsten Tag hinein.

Dennoch habe ich mir nach diesen Gedanken und Gesprächen, welche schon viel zu lange durch meinen Kopf schwirren, einen Plan gemacht. Ich möchte noch weniger und noch bewusster konsumieren und das Sparen lernen.
Wozu brauche ich das neuste Trendteil, wenn es nach einer Woche sowieso ungeliebt in der Ecke liegt? Muss ich dieses Buch wirklich auch noch kaufen, oder habe ich nicht schon einen riesigen ungelesenen Bücherstapel zu Hause liegen? Kann ich Sachen weiterverwenden, reparieren lassen, oder muss ich sie tatsächlich neu kaufen? Fragen, welche ich mir noch intensiver stellen möchte.

Wir müssen alle wieder lernen, dass es wichtigere Dinge als Statussymbole gibt und das sich der Charakter oder Wohlstand eines Menschen nicht über Geld und Konsum definiert. Oft sogar scheinen Menschen mit weniger, beziehungsweise einer bewussten Auswahl an Gegenständen zum Leben glücklicher zu sein und sich diese Gedanken über „was kaufe ich morgen?“, oder „was könnte ich mit mehr Geld machen?“, überhaupt nicht zu machen.
Wenn ich meine Ersparnisse dafür nutzen kann, mich selbst auf einer Reise besser kennen zu lernen, oder noch an eine Hilfsorganisation mehr zu spenden, oder mich um unsere Umwelt zu sorgen, oder anderen Menschen ein kleines Lächeln auf die Lippen zu treiben, dann möchte ich lieber das tun, als mich in einer Wohnung voller Gerümpel zu langweilen. Denn auf die Dauer verschmutzt und zerstört unser Konsum auf jeden Fall unsere Erde und egal wie nachhaltig wir uns einreden zu leben, Konsum bleibt Konsum, Ressource bleibt Ressource.

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KOMMENTARE

Hallo Katja,
Schöner Artikel, ich hoffe du inspirierst damit andere junge Leute ihren Konsum und das Leben in unserer konsumgesteuerten Welt zu hinterfragen. Ich selbst bin „schon“ Ende 20 und entdecke bei dir viele parallele Denkmuster die ich in deinem Alter auch hatte und zum Teil immer noch habe. Wenn man sich fern der „Norm“ bewegt und Dinge in Frage stellt die als Gegeben und Normal angesehen werden macht man sich das Leben nicht einfacher. Man muss die in unserer Gesellschaft herrschende Apathie endlich überwinden um weiterzukommen und dazu trägst du, in deinem Blog und in deinem sein bei.
Danke dafür!
Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für unsere Welt.

Hallo Katja,
Ich kenne das sehr gut was du beschreibst. Ich gebe mein Geld auch für viel zu viel aus. Ich schaffe es nicht mal was von der Welt zu sehen, was sehr sehr traurig ist. Ich versuche auch immer wieder an Kleinigkeiten zu denken, die nicht nur meiner finanziellen Situation, sondern auch der Umwelt helfen. Wir werden sehen, ob ich in einem Jahr ein bisschen mehr sehe als ein zwei Äcker 😀

Huhu, ich bin zufällig über deinen Beitrag gestolpert. Seinen Konsum einzuschränken, ist auf jeden Fall der richtige Weg, denke ich. Aber man sollte Geld auch als etwas positives wahrnehmen. Es gibt uns zum einen viel Sicherheit und so viele Möglichkeiten. Ich träume von finanzieller Freiheit und plane gerade, wie ich sie erreichen kann. Dazu lese ich gerade „Bali statt Bochum“ von Madame Moneypenny. Das hilft mir dabei 🙂

Immer wenn ich darüber nachdenke irgendetwas zu kaufen vergleiche ich, was ich damit in Australien machen kann. 25€ sind eine Nacht im Hostel. Eine Nacht länger reisen, vielleicht sogar länger wenn man eine andere Unterkunft wählt. Und das hilft mir oft sehr 🙂
Meine größte Ausgabe ist vermutlich Essen gehen oder Unternehmungen mit Freunden und da fällt es mir auch sehr schwer sparsamer zu sein wenn mich der vegane Schoko-Mousse-Kuchen so anlächelt 😀
Vielleicht hilft es dirt auch gleich zu monatsbeginn eine gewisse Summe zur Seite zu legen, sodass du gar nicht in Versuchung kommen kannst sie auszugeben und so zu leben, als wäbe es das Geld nicht zum ausgeben 🙂
Liebste Grüße
Pauline

Ich hab übrigens eine Reihe unserer Bilder in diesem Beitrag verwendet, wenn du mal vorbei schauen willst 🙂
https://mind-wanderer.com/2018/08/11/rolemodels-on-the-internet/

Oh mein Gott Katja, du sprichst mir aus der Seele! Das Thema beschäftigt mich seit ein paar Wochen mal wieder und irgendwie nervt es mich einfach nur noch, wie jeder nur noch gedankenlos konsumiert, jedem Trend nachläuft und man seinen Wert von seinem Besitz abhängig macht.