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        Ich liege auf dem Boden und spüre eine Antriebslosigkeit, wie ich sie noch nie zuvor empfunden habe. Ich drehe mich nach rechts und denke daran, was ich heute noch erledigen sollte, schließlich erledigen sich die Punkte auf meiner Liste nicht von allein und ich bin die Person die sie angehen sollte, aber ich schaffe es nicht aufzustehen und drehe mich wieder zurück auf den Rücken, um die endlos weiße Decke anzustarren.
        Kurz darauf packt mich der Übermut für eine kurze Minute und ich drehe mich auf die linke Seite, ich denke daran wie die Punkte auf meiner Liste sich verdoppeln, verdreifachen und einfach nicht aufhören sich anzusammeln, aber ich schaffe es nicht aufzustehen und drehe mich wieder zurück, um die Decke anzustarren und mich ein weiteres Mal zu fragen, was genau mein Problem ist.

        Nach einer Weile des hin und her schließlich, schaffe ich es mich in meiner eigenen Ekligkeit zu Unwohl zu fühlen und mache mich übermütig auf den Weg zur Dusche. Da ist eine Aufgabe die auf mich wartet, eine Tat die einen Sinn verbirgt und wieder zumindest für die nächsten 5-10 Minuten einen Antrieb verschafft. Ich drehe den Wasserhahn auf, lasse die Tropfen über mich laufen, seife mich ein und beschließe kurzerhand auch noch meine Haare zu waschen. Immerhin spart mir das weitere qualvolle Minuten an diesem Tag die ich sonst mit dieser Leere füllen müsste.
        Ich stehe noch ein paar weitere Momente unter dem warmen Wasser, denke erneut an diese Liste mit ihren Punkten und drücke dann abrupt den Hahn nach unten, wodurch erneut diese Stille über mich fällt. Müde nehme ich mir ein Handtuch und überlege wie ich noch müde sein kann, immerhin schlägt die Uhr bald die Mittagszeit und ich habe die meiste Zeit des Vormittags im Bett und auf meinem Teppich verbracht. Ich trockne mich ab, föhne mir lustlos die Haare zumindest halbtrocken und beschließe dann den ersten Punkt auf meiner Liste anzugehen.

        Ich klappe meinen Laptop auf, als Mitglied der Generation XYZ, oder wie auch immer, besteht mein Alltag nun einmal aus der Technik, das versuche ich mir zumindest immer wieder einzureden, bevor ich stundenlang auf den hellen Bildschirm starre. Einige leere Seiten des Schreibprogrammen sind noch vom gestrigen Tag geöffnet, als ich stumm an eben diesem Platz sitze an dem ich gerade auch sitze und meine Hände zwar auf der schwarzen Tastatur lagen, aber die richtigen Tasten nicht finden konnten.
        Auch heute vergehen Sekunden, Minuten, Stunden in dieser Stille und während ich frustriert nach einem Anfang finde quält mich mein Kopf immer wieder mit dem Gedanken an die Punkte auf meiner Liste die sich wahrscheinlich schon bis an den unteren Rand quetschen, oder auf der Rückseite des Blattes tummeln. Ich merke, dass ich auf diese Weise keinen Schritt vorankomme und beschließe erst einmal etwas zu kochen, vielleicht hindert mich nur der Hunger daran endlich anzufangen und das erste Kreuz hinter einen der Punkte zu setzen.

        Heute gibt es Nudeln die sind immer da, ich schaffe es einfach nicht mir eine Jacke überzuwerfen und die 100 Meter zum nächsten Supermarkt zu laufen. Aber Nudeln sind okay, ich meine auch sie füllen meinen Magen und immerhin muss ich beim Kochen keinen großen Aufwand betreiben. Sie sind schneller gar als ich das Pesto aus dem Kühlschrank holen kann und nur kurze Zeit später wandern sie vom Teller in meinen Magen, während ich neben mir vorsichtshalber den Laptop offen gelassen habe, mich könnte ja ein Einfall überkommen und dann wäre es schade darum ihn nicht zu notieren.
        Ein Einfall überkam mich nicht, dafür aber die Müdigkeit und ich legte mich nach dem Essen wieder zurück auf meinen Platz vom Vormittag, um nach dem Lesen einiger sozialen Netzwerke und ihren verrückten Meldungen erst auf der rechten und später wieder auf der linken Seite meines Körpers zu liegen, fast schon wahnsinnig geworden durch das Blatt Papier, diese Liste mit ihren Punkten.

        Während sie am Vormittag noch ordentlich in Reih und Glied auf den Zeilen notiert waren, haben sie jetzt begonnen über mir zu kreisen wie ein Heiligenschein der eigentlich gar keiner ist, denn ich habe ja doch nichts erreicht heute. Egal denke ich mir, morgen ist schließlich auch noch ein Tag und versuche dem Chaos eine neue Ordnung zu geben, schließlich sind heute einige neue Punkte hinzukommen die ich dringend hinzufügen sollte. Morgen ist auch noch ein Tag, wiederhole ich immer wieder meine eigenen Worte, obwohl ich weiß wie dieser aussehen wird.
        Ich müsste ausbrechen, einen neuen Weg gehen und nicht wie ein nasser Fisch auf dem Boden liegen, zappelnd und nach Luft schnappend, aber doch halbtot. Ich müsste meinen Antrieb wiederfinden, diesen Sinn den ich hatte und der mich jeden Morgen aus dem Bett holte, der mich davor bewahrte meine Zeit als Verfolgungsjagd mit einem blöden Blatt Papier zu bestreiten, auf welchem die einzelnen Punkte noch nicht einmal eine Ordnung bewahren können. Ich sollte mir eine neue Aufgabe suchen, eine Bestimmung die mich erfüllt, oder einfach nur eine neue Arbeit durch die ich gezwungen bin aufzustehen. Vielleicht fehlt mir ein neuer Job, sage ich mir und schreibe diese Idee gleich mit auf meine Liste. Denn morgen ist auch noch ein Tag.

        Jeder Tag ist ein kleines Leben – jedes Erwachen und Aufstehen eine kleine Geburt, jeder frische Morgen eine kleine Jugend, und jedes zu Bett gehen und Einschlafen ein kleiner Tod.
        – Arthur Schopenhauer

        die liste

        Outfitdetails
        Pullover: Second Hand

        Location: Leipzig
        Kamera: Canon EOS 6D
        Objektiv: 24-105mm
        Bildbearbeitung Tutorial (hier)

        6 COMMENTS

        Mir gehts exat genau so. Ich könnte gerade eigwntlich lernen, Hausaufgaben oder Sport machen, aber ich liebe schon wie die letzten Tage die ganze Zeut im Bett. Ich habe einfach keinen Antrieb, keine Motivation um mich auf zu raffen

        Ja, geht mir auch genauso. Und manchmal will man die Dinge auch einfach aus Sturheit nicht machen, ganz nach dem Motto „du hast dich entschlossen nichts zu machen, also machst du nichts“. Einfach um sich selber nicht zu ‚verraten‘. Ich bekomme dann immer Heulkrämpfe. Dachte ich wäre alleine damit. Dankeschön, irgendwie aufmunternd!❤

        Du hast es genau auf den Punkt getroffen! Vielen Dank.
        Ich fühle mich nicht mehr so alleine damit.

        Oh Katja! Du hast mit deinem Text mal wieder genau meine Gedanken und Gefühlswelt getroffen. Genau eine solche Antriebslosigkeit und Unmotiviertheit überkommt mich in letzter Zeit auch immer wieder. Allerdings bedeutet das für mich das ich Stunde um Stunde Youtube Videos schaue, die total unnötig sind und mich nicht weiterbringen. Ich weiß nicht ob es am Wetter liegt und uns einfach die Sonne fehlt oder was es ist, aber ich hoffe es geht bald wieder besser voran.
        Ein Tipp, der mit persönlich total weiterhilft ist, sich jeden Tag (oder bei mir jedes Wochenende) eine neue To-Do Liste mit wenigen Punkten seiner großen Liste zu machen. Dann wird man nicht so erschlagen und freut sich, wenn am Ende des WEs wirklich fast alle Punkte abgehakt sind. Das geht dann auch viel einfacher irgendwie 🙂

        Liebe Grüße
        Pauline <3

        http://www.mind-wanderer.com

        So wahr.. mir geht es echt gleich. Ich befinde mich nur leider schon viel zu lange in dieser Lage. Was tut man dagegen? Ich muss sagen, dass mit dem Job ist wirklich eine gute Idee. Aber es kann doch nicht sein, dass man es nicht schafft sich selbst zu motivieren – ich meine der Kram für die Uni muss ja auch getan werden etc. …
        Vielleicht ist das auch alles Teil des Erwachsenwerdens werden. Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist es ekelhaft, das Gefühl. Wenn du eine Lösung für dich hast, wie du es los geworden bist. Bitte schreib mir. Danke und Danke für den tollen Eintrag!!

        Du bist mit diesen Gefühlen und Zustand definitiv nicht alleine, denn ich befinde mich ab und zu genau in der selben Lage und möchte zum Beispiel überhaupt nicht aus meinem Bett, wenn ich weiß wie viel ich heute noch erledigen muss. Es ist schade immer mehr Menschen zu sehen die so empfinden. Ich hoffe es geht uns bald besser.

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