Mrz
07
18

Die endlose Weite des Neuanfangs

„2018“, dachte ich mir, „das wird mein Jahr.“ Ich wollte auf mein Herz hören, mich und mein Leben bewusster wahrnehmen und endlich irgendwo meinen Platz finden, habe ich letztens herausgefunden, als ich meine Vorsätze aus dem Dezember noch einmal gelesen habe.
Wir schreiben jetzt schon den März, die ersten Monate sind wie im Flug vergangen und haben sich doch unendlich langsam angefühlt. Vielleicht ziehe ich immer wieder im dritten Monat des Jahres meine Bilanz, als würde mich mein immer näher rückender Geburtstag daran erinnern, wie viel Zeit schon wieder an mir vorbeigezogen ist. Beziehungsweise wie sehr sich eigene Ansichten innerhalb von wenigen Wochen ändern können.

Ich bin wieder einmal an mir selbst gescheitert und als wäre das nicht schon Enttäuschung genug, macht mir die Enttäuschung der Menschen die mich dabei unterstützen wollten noch mehr zu schaffen.
Vielleicht fing alles mit diesem einen Brief in meinem Briefkasten an, vielleicht war der Prozess schleichender und ich habe ihn nicht bemerkt. Meinem Herzen wollte ich folgen, mit der Fotografie wollte ich glücklich werden und jetzt, wenige Monate später stand es schwarz auf weiß – abgelehnt. Damit bin ich klar gekommen, ich war realistisch genug um meine Chancen von Anfang an eher gering zu sehen und immerhin war ich kurz vor der Absage selbst unzufrieden mit meiner Mappe.

Mich beschleicht dennoch der leise Verdacht, dass sich bei mir immer alles auf einmal anhäuft, sei es nun positiv oder negativ und diesmal nimmt die zweite Sache den größeren Anteil ein. Nach dem 1. Brief kam also noch ein 2. und es war ebenfalls kein schöner. (Ich würde mich ehrlich gesagt auch einmal über schöne Post freuen, was ist aus Postkarten, Liebesbriefen und Brieffreundschaften geworden?)
Auf jeden Fall befand sich im Umschlag ein Anwaltsschreiben über das ich ehrlich gesagt nicht viel schreiben möchte, außer über die Tatsache wie sehr es mich aus der Bahn geworfen hat, für etwas was mein Hobby sein sollte, was mich seit vielen Jahren begleitet und mir unendlich viel Spaß macht abgestraft zu werden. Weder mein Geldbeutel, noch ich waren sehr glücklich darüber.

Das ist es also bisher, das Jahr 2018, 2 Briefe, viele Vorwürfe, und eine neue Findungsphase. Immer mit dem Druck im Nacken man würde nichts erreichen, weil man mit nicht einmal 20 Jahren noch nicht fest im Leben steht.
„Und jetzt?“, fragt ihr euch vielleicht und genau diese Frage stelle ich mir seit ein paar Wochen jeden Tag. Man steht immer vor dieser endlosen Weite an Möglichkeiten, muss sich entscheiden, weitergehen und irgendwo in der Ferne sein Ziel sehen. Ich habe mir eine kleine Auszeit in Paris genommen, über die ich noch berichten möchte, Schottland steht auch bald vor der Tür und bis dahin werde ich wohl sehr viel arbeiten, um mir neben den Anwaltskosten auch irgendwie eine Mahlzeit pro Tag finanzieren zu können.

Die Zeit danach habe ich grob geplant, aber irgendwie fehlt mir langsam der Mut darüber zu sprechen und erst recht zu schreiben, aus Angst wieder zu versagen. Aber laut meinen Kalendersprüchen sollte ich aus jeder Situation etwas positives ziehen, aufstehen und weitermachen und in dieser Hinsicht sind meine Vorsätze aus dem Dezember vielleicht doch nicht verkehrt.
2018 wollte ich auf mein Herz hören, mich und mein Leben bewusster wahrnehmen (mit allen Höhen und Tiefen möchte ich an dieser Stelle einfügen) und endlich irgendwo meinen Platz finden. Wir schreiben schon den März, darauf wird auf jeden Fall der April, Mai, Juni folgen, das Jahr ist noch lange nicht vorbei – ich sollte also noch genügend Zeit haben, oder nicht?

PREVIOUS POST
NEXT POST
Read Comments
Hide Comments
9 COMMENTS
Sarah

Liebe Katja,
Ich kann dich total verstehen, mir geht es genauso. Aber versuche es nicht zu schlimm zu nehmen. Du bist gesund, es ist kein Krieg hier und du kannst um die Welt reisen. Du brauchst scheinbar immer wieder abwechslung, deinen bisherigen Blockeinträgen zu entnehmen. Was wäre denn mit nachhaltigem Tourismus oder umweltbewussten Wirtschaften. Es gibt so viele Projekte im Bereich Umwelt und NGOs (von Greenpeace bis Amnesty International, Schulprojekte oder weiß ich was . Klar, man wird wieder mal nicht reich, aber man setzt sein leben für sinnvolle Dinge ein.
Liebe Grüße und alles gute
Eine Gleichgesinnte ehemalige Grundschulklassenkameradin

Hey Sarah,

du hast vollkommen Recht, imVergleich sehen unsere Probleme immer ziemlich harmlos aus. Aber trotzdem ärgert man sich in dem Moment so sehr, weil man irgendwie vorankommen möchte.
Liebe Grüße,
Katja

Sarah

Liebe Katja,

Ich kann dich total verstehen. Mir geht es genauso. Aber verliere nicht den Mut. Du bist gesund, wir haben hier keinen Krieg. Du kannst viel frei entscheiden und reisen. Deinen bisherigen Blogeinträgen zu entnehmen scheinst du das Reisen zu brauchen und Nachhaltigkeit ist dir auch wichtig. Hast du schon mal an die kreative Wirtschaft gedacht. Es gibt NGOs, nachhaltige Entwicklung, ökologischer Tourismus, Umweltschutz,…. vielleicht wäre das ja was spannendes für dich.
Liebe Grüße
Eine ehemalige Grundschulklassenkameradin

Ida

Ein schöner Kommentar von deiner ehemaligen Mitschülerin ist das!
Das Jahr ist noch immer neu und wer macht dir Druck? In Wahrheit wahrscheinlich nur du selbst… man ist niemanden einen perfekten Lebenslauf schuldig, aber man ist sich selbst ein Leben schuldig, auf das man gerne zurück blickt 😉
Verhungern und frieren müssen wir nicht und der Rest kommt bestimmt.

Das mit dem 2. Brief „blöde Sache“ (ich bin schon etwas neugierig) aber ich frage mich immer „ist es etwas, über das ich mich in 2 Monaten oder in einem Jahr noch ärgere, oder hab ich es bis dahin vergessen?“ wenn ja, halb so wild.

Den Druck mache ich mir selbst gar nicht so sehr, er kommt eher aus meinem familiären Umkreis und es nervt einfach so sehr, bei jedem Besuch wieder erneut darüber zu diskutieren. Ich teile deine Einstellung auf jeden Fall, man lebt nicht für seinen Lebenslauf, sondern ganz allein für sich selbst.
Die Sache um den 2. Brief möchte ich glaube ich nicht öffentlich teilen, zumindest im Moment nicht, aber wie es aussieht wird es sich über mehrere Monate ziehen und mich ärgert es sehr. Weil man sofort wieder anfängt die Sache zu hinterfragen die einem Spaß macht und sich fragt, wofür man das alles macht. Beziehungsweise vorsichtiger wird und immer wieder zweifelt.
Liebe Grüße

Johanna

Ich suche meinen Platz auch schon lange, auch mit fast 27 habe ich den noch nicht gefunden. Vielleicht finden wir den noch, vielleicht sucht man sein Leben lang, vielleicht dauert es bei manchen länger. So lange Du Dir Deine tägliche Mahlzeit aber verdienen kannst ohne Probleme und ohne Angst wird schon alles werden. 🙂 Und natürlich gibt es schlimmeres was passieren kann, letztendlich ist es aber immer unser eigenes Leben und manchen fällt es eher schwerer weiter zu gehen, wenn Steine in den Weg fallen. Weiter geht es trotzdem immer. Halt an Deinen träumen fest!

Yvprysm.

Im selben Atemzug, wie man sich fragt, warum weiß ich mit in deinem Fall 20, in meinem fast 27 nicht wo man will, wie soll es dann weitergehen? Ich hab von dort an mal weiter gedacht und mich gefragt, wo es geschrieben steht, dass man mit irgendeinem Alter plötzlich wissen soll und muss, wohin die Reise, die große Reise, oder eben der Sinn des Leben für mich bzw. jeden Einzelnen liegt. Und da ist mir irgendwie die Erkenntnis gekommen, dass dieses Gefühl der Wertlosigkeit im Zusammenhang mit dem Planlos sein, egal welches Alter ab 16, nur davon kommt, weil es uns durch die Gesellschaft / Erziehung eingeprägt wird. Aber ich glaube, wenn man von Tag zu Tag lebt, die Momente lebt und liebt und gar keine Ahnung von und für seinen eigenen großen Plan hat, ist und kann man doch genauso glücklich sein, wie die, die einen ausgefeilten Schlachtplan haben oder nicht? Und da ist mir klar geworden, zu wissen wo man hin will ist ein Gefühl und ich denke Gefühle lassen sich nicht aus dem nichts erschaffen, man spürt sie, wenn man bestimmte Dinge erlernt. Und vll bin ich oder so viele andere, einfach noch nicht an dem Punkt, wo sie es lernen werden und möchten. Und wenn ich es dann so annehme, dass wird es plötzlich zu einer Entscheidung, die ich selbst treffen kann und da merke ich, dass mich der Gedanke und das Gefühl der Planlosigkeit nicht mehr traurig macht, weil ich persönlich meine Erfüllung im Momente leben gefunden habe. Und solange das funktioniert, warum damit aufhören?

Joana

Hallo liebe Katja!
Die Sache mit der Ablehnung kenne ich. Ich habe mich zweimal für angewandte Theaterwissenschaften in Gießen beworben. Beide Male wurde ich direkt abgelehnt. Auch mein Plan B hat nicht geklappt und es wurde nicht mal der krasse Favorit aus Plan C. Und ich bin wirklich nur froh! Ich habe mit meinem Studium jetzt genau die Möglichkeiten, die ich vorher auch gehabt hätte und ich muss auch nicht in einem Kreis von „Auserwählten“ studieren, ich hätte eh nicht reingepasst. Glaub mir, Vieles was sich so ergibt macht irgendwie Sinn.
Und soweit ich das beurteilen kann, kriegst du sehr viel hin. Du schreibst regelmäßig an deinem Blog, machst etwas was dir Spaß macht, glaub mir, es gibt Menschen die können das nicht, obwohl sie rein objektiv alle Mittel dazu haben.
Und es ist vollkommen okay erstmal kein konkretes Ziel zu sehen. Das habe ich auch noch nicht so ganz raus. Muss ich auch nicht. Akzeptanz ist ein wichtiges Wort – es begleitet mich seit einigen Wochen und es ist eine gute Basis. Heißt ja nicht, dass man alles stoisch hinnehmen muss, ganz und gar nicht.
Bei der Sache mit dem Anwaltsschreiben kam mir direkt in den Sinn um was es gehen könnte. Wenn es das ist was ich meine: Ich finde es wirklich furchtbar, dass es so ist! Einfach kompromisslos. Ich hoffe das geht alles noch gut für dich aus!
Liebe Grüße
Joana

Svenja

Woher kommt denn dieser ‚Druck im Nacken‘, der dir sagt, dass du schon mit 20 Jahren fest im Leben stehen sollst? Ich nehm einfach mal an, dass es vorallem vom sozialen Umfeld kommt. Diese Werte hat man einfach unterbewusst aufgenommen, aber es ist toll, dass du es hinterfragst. Ich finde mit der Findumg des beruflichen Werdegangs und mit vielen anderen Themen kann man sich so viel Zeit nehmen, wie man will.
LG, Svenja von mindful-discovery.com

Add Comment

TYPE AND HIT ENTER