Seit ungefähr einer Woche sitze ich ständig vor meinem Terminplaner und schreibe einen Termin nach dem Anderen hinein. Leipzig, Halle, Köln, ich habe nächsten Monat viel zu tun. So viel, dass ich mich bestimmt für einige Tage übernommen habe, aber ich möchte keine Pause zulassen. Das ist mir erst jetzt bewusst geworden.
Ich habe Angst davor wieder zu Hause anzukommen. Wieder in mein altes Zimmer zu ziehen, das selbstständige Leben aufzugeben und mich meinen Eltern unterzuordnen, wieder in alte Muster zu verfallen. Ich habe Angst davor nur noch in der Vergangenheit von meiner Reise zu sprechen und mich sehnlichst zurückzuwünschen. Weil die Realität wieder begonnen hat, als wäre ich nie weg gewesen.

Aber nicht nur mein alter Heimatort macht mir Sorgen. Ich habe Angst davor mich mit alten Freunden zu treffen und festzustellen, dass auch ihr Leben weiterging. Vielleicht haben sie neue Freunde gefunden, vielleicht haben sich untere Interessen verändert, vielleicht verlieren wir uns.
Ich habe Angst davor eines Tages wieder bei H&M oder Zara an der Kasse zu stehen und dem Konsum erneut zu verfallen. Weil ich vergessen habe, wie wenig eigentlich zum Leben notwendig ist und welche Fast-Fashion-Ketten ich damit wirklich unterstütze. Ich habe Angst davor festzustellen, dass Menschen immer noch jeden Montag durch Dresden laufen und für unmenschliche Ideale kämpfen. Weil sich nichts verändert hat.

Obwohl, ich habe mich verändert. Ich bin selbstbewusster geworden. Ich habe meinen Horizont erweitert, eine fremde Kultur kennengelernt und mit vielen interessanten Menschen Kontakt gehabt. Aber wie wird es sich anfühlen, trotzdem wieder über die gleichen Straßen zu laufen, durch den gleichen Ort?
Ich weiß nicht, ob die Lösung ein voller Terminkalender ist, oder ob ich meine Sorgen damit einfach nur hinausschieben möchte. Wieder heimzukommen fühlt sich schwerer an, als seinen Rucksack zu packen und in die Fremde zu fliegen. Weil zu Hause Menschen sitzen denen ich etwas bedeute, die mir etwas bedeuten und deshalb möchte ich sie nicht enttäuschen.

Was passiert aber, wenn nicht ich die Enttäuschung bin? Wenn ich feststellen muss, dass ich einfach nicht mehr hineinpasse in mein altes Leben (was auf jeden Fall passieren wird) und selbst enttäuscht werde. Weil sich in Dresden jeder in seinem eigenen kleinen Kosmos gedreht hat und meine Reise nicht verstehen wird?
Die größte Angst habe ich vor dem Moment in dem ich gefragt werde: „Wie wars denn, in Neuseeland?“ und keine Antwort haben werde. Man kann ein Jahr nicht in einen Satz quetschen. Man kann meine Erlebnisse nicht einem 5-minütigem Smalltalk besprechen. Und ehrlich gesagt möchte ich auch gar nicht, dass sich jeder die Berechtigung nimmt und mich danach fragt. Weil ich weiß, dass meine Worte entweder enttäuschend für ihn, oder für mich werden.

Ich schreibe mir also Ausreden in den Kalender, um das Heimkommen noch ein bisschen nach hinten zu verschieben. Denn bevor ich mich meinen Ängsten zu Hause stellen kann, habe ich die Befürchtung erst mit mir selbst kämpfen zu müssen. Ich werde Zeit brauchen um anzukommen, um zu realisieren. Vielleicht mache ich genau damit einen großen Fehler, aber ich glaube ein voller Kopf und etwas Stress sind auf jeden Fall besser, als allein in meinem alten Zimmer zu sitzen bis die Wände näher kommen, weil ich Neuseeland vermisse und mich zurück wünsche.

Schuhe: Dr. Martens // Hose: Topshop // Bluse: Second Hand (ursprünglich Mango) // Kette: Neuseeland

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10 COMMENTS
Maria

Du sprichst mir aus der Seele! Die ersten zwei Wochen ist man noch etwas besonderes, dann wird es für alle anderen ganz normal sein, einen wieder da zu haben. Und

Deinen Kommentar hat es nicht richtig abgeschickt 🙁

ansmeer

Liebe Katja, deine Worte sprechen mir aus der Seele!! Ganz genauso habe ich mich auch gefühlt. Ich habe mich öfter nach Neuseeland zurück gewünscht, als ich anfangs gedacht habe. Deine Fotos sind auch wieder mega 💛

Pia

Du hast nicht zufällig ein paar Tipps für mich? 😀

Janna

Liebe Katja, deine Worte sind genau meine Gedanken im Moment. Obwohl es eine ganz andere Situation ist, habe ich auch Angst für das ‚Normale‘ nach meinem Jahr in Leipzig. Ich habe keine Lust wieder im normalen Rhythmus von ‚zu Hause’zu verfallen. Ich fühle mich wohl hier und würde am liebsten immer hier bleiben. Ich bemerke außerdem auch, dass ich den ersten Monat in den Niederlanden jetzt schon ganz voll packe, um einfach nicht zu ganze zeit daheim zu sein. Ich hoffe aber meine Einstellung von hier mit nach Hause zu nehmen. Die Sachen die ich gelernt habe und wie ich mich hier verhalte. Ich hoffe, du kannst das auch und du wirst dich trotzdem wieder in Deutchland zu Hause fühlen. Sonst einfach schnell sparen für die nächste Reise 😉 Und jetzt schreibe ich dir eine Nachricht wegen dem Shooting. Deine Fotos sinde echt mega <3

Schön, dass ich nicht die Einzige bin. Ich bin gespannt wie es letztendlich wird und ich wünsche dir auch ganz viel Freude dabei, wieder nach Hause zu kommen. Denn irgendwo hat man es doch ein bisschen vermisst. Das ist ein blöder Zwiespalt.
Ich schau gleich mal in mein Mailfach 🙂
Liebst, Katja

Anni

Diese Bilder sind einfach so unglaublich traumhaft und mit dem Text kann ich mich richtig gut identifizieren.
Ich habe oft Angst zurück nach Hause zu gehen, weil ich fürchte, dass alle sich weiterentwickelt haben und ich plötzlich alleine da stehe. Aber da kann man nur sagen „Augen zu und durch“. Auch wenn es manchmal schwer ist. Ich wünsche dir, dass du aus deiner Zeit einiges mitnehmen kannst und nicht mehr in unerwünschte Muster zurück fällst

Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

Dankeschön, das wünsche ich dir auch für das nächste Mal.
Liebst, Katja

Pauline

Hey Katja,

Ich kann mir gar nicht so richtig vorstellen wie deine Gefühle gerade aussehen, da ich mich selbst noch in der Phase von Vorfreude vor meiner großen Reise befinde 🙂 Man sagt ja auch Vorfreude ist die schönste Freude und du scheinst das zu bestätigen, denn dann ist es auf einmal so schnell wieder vorbei…
Deswegen kann ich auch sehr gut verstehen, dass du dir erstmal viele Termine gemacht hast um dich etwas abzulenken und die Zeit zu verlängern bevor du dich mit diesen Gefühlen auseinander setzen musst und ich freue mich schon sehr auf unser Shooting und dich als „echte Person“ kennen zu lernen. Ich bin sicher, dass ich von dir viel lernen kann. Nicht nur in Hinsicht der Fotografie 🙂
Da du auf Instagram nach Kommentaren zu deinem neuen Design gefragt hast, wollte ich dir gern meine Meinung sagen: Ich finde die Home Seite sehr schön, da man dort zuerst ein großes Bild von dir sieht und zu dir etwas ließt und das Augenmerk auch mehr auf deine Fotografie gesetzt ist. Allerdings mochte ich dein amoureuxee Zeichen mit den Zweigen vorher mehr, als die schlichten Buchstaben jetzt. Außerdem finde ich es sehr gut, dass dein Blog keine Sidebar hat da das gut zu einem Blog passt auf dem die Fotografie wirklich groß dargestellt werden soll. Das Kommentarfeld hingegen mag ich nicht so sehr, da die Schrift total klein ist und auch sehr unübersichtlich, was beim Kommentieren relativ unpraktisch ist. Außerdem ist das Feld relativ schlecht zu erkennen, was neue Leser sicherlich irritiert.
Ich hoffe du kannst mit meinen Bemerkungen etwas anfangen und eventuell verbessern 🙂
Noch eine Anmerkung zu deinen Haaren 😀 Deinen Pony sieht man ja in diesen Bildern sehr gut und auch wenn ich ihn eigentlich mochte und fand, dass er zu dir passt kann ich verstehen dass du ihn wieder „weggehäkelt“ hast und finde es mega cool, dass das mit Dreads so einfach geht 😀

Liebe Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Ich freue mich auch schon auf das Shooting und dann kannst du mich über Neuseeland ausquetschen 😀
Das amoureuxee-Zeichen ließ sich leider nicht mehr hochladen, weil das Dateiformat nicht gestimmt hat und ich muss schauen, dass ich das irgendwie transparent bekomme. Ich fand das auch schöner.
Mit dem Kommentarfeld habe ich mich noch nicht befasst, da ich das nie nutze, mal sehen ob sich da was ändern lässt und meine technischen Kenntnisse das zulassen. Danke dir auf jeden Fall für das Feedback 🙂

Ich habe den Pony für diese Bilder sogar extra noch ein bisschen geschnitten, aber jetzt hat es auch gereicht damit 🙂
Liebst, Katja

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