Apr
25
18

Die Angst vor dem Anfang (Edinburgh, Schottland)

Ich beschloss also vor ein paar Wochen gemeinsam mit einer Freundin den West Highland Way durch Schottland zu laufen. 154 Kilometer voller wunderbarer Natur, nur mit einem Rucksack und einem Zelt im Gepäck. Ich wollte eine Auszeit nehmen, von meinem Leben, vom Internet und einigen anderen Umständen die mich gerade beschäftigen.
Gestern sind wir wieder in Deutschland gelandet, mit geschundenen Gelenken und jeder Menge positiver Energie im Gepäck. Um alle Erlebnisse zu verarbeiten und für diesen Blog, meine Art mich zu verständigen und Dinge zu teilen, schrieb ich jeden Abend ein paar Sätze in mein kleines grünes Notizbuch.

Ich schrieb über meine Gefühle, über schmerzende Knochen, meine Ängste vor der langen Strecke und der Zeit ohne Handy, über das Scheitern und schlussendlich über die Erkenntnis, dass Digital Detox nicht das Richtige für mich ist. Irgendwo reicht es nicht für mich einfach wegzulaufen und das Handy auszuschalten, um dann am Ende nach 2 Wochen wieder am selben Punkt zu stehen. Viel wichtiger erscheint mir der Gedanke endlich den passenden Umgang mit dem Handy und den sozialen Medien für mich zu finden.
Die letzten 2 Wochen waren eine unglaublich schöne Erfahrung zwischen der endlosen Weite Schottlands, guten Gesprächen, Fehlschlägen und neuen Erkenntnissen. Genau darüber möchte ich euch in den nächsten Einträgen berichten. Eine Blogeintragreihe mit Gedankenfetzen, Kolumnen und Fotografien.
Angefangen hat die Reise mit 2 Tagen im wundervollen Edinburgh, einer alten Stadt mit unglaublich viel Stil und der Aufregung vor der eigentlichen Wanderung. Aber lest selbst:

11.04.2018

Dieser Zustand erscheint mir wirklich etwas verrückt. In einem Tag, besser gesagt schon morgen, wollen wir also nur mit einem Rucksack bepackt den Weg aus der Zivilisation suchen. Ohne Handy, ohne Internet, ohne Laptop, E-Mails und dem ständigen Drang nach neuen Terminen. Ohne Angst irgendetwas zu verpassen, nur weil das Handy seit 2 Stunden nicht mit einer neuen Nachricht aufgeleuchtet hat. Einfach nur wir, ein Zelt, und Schlafsäcke im Gepäck auf dem Rücken.

Während ich darüber nachdenke erscheint mir die gesamte Situation etwas grotesk, immerhin sitze ich hier gerade noch neben der Heizung auf dem gemütlichen Bett unserer kleinen Unterkunft in Edinburgh und genieße den vollen Luxus unserer Zeit. Aussteigen kann ich anscheinen nur noch, wenn ich das auch plane und innerlich beschleichen mich genau dabei mehrere Ängste.
Neben dem Horrorszenario der letzten Nächte, in welchem ich uns verloren und kalt im Regen, mitten in der endlosen Weite Schottlands, stehen sehe, mache ich mir um unser grundlegendes Überleben eher weniger Gedanken.
2 Wochen nur mit einem Rucksack werden gut funktionieren und mir noch einmal die Augen öffnen, wie wenig „Dinge“ ich tatsächlich zum Leben brauche und wie viele ich trotzdem fast täglich konsumiere.

Nein, viel mehr Angst und an diesem Punkt spricht wahrscheinlich die Bloggerin aus mir, habe ich vor der Zeit ohne Internet und Whatsapp. 

Die folgenden Sätze hören sich selbst aus meiner Perspektive unglaublich traurig an, aber schließlich soll man sich doch die Wahrheit immer wieder selbst vor Augen führen. Um zu begreifen.
Mein Leben besteht leider aus diesem riesigen Mitteilungsdrang in den sozialen Medien und meine Arbeit beziehe ich zum größten Teil aus dem Internet und der online Welt. Dazu kommt die unbegründete Angst ich könnte etwas verpassen (was ganz ehrlich außer süßer Katzenvideos und purer Selbstdarstellung nicht passieren wird), oder auch der Kontakt zu meinem Freund den ich ohne Handy in dieser Zeit nicht haben kann.

Alles etwas übertrieben und schwachsinnig, ich weiß. Ich möchte diese Gedanken nicht haben und nicht in diese Richtung gehen, weshalb ich eine Auszeit bitter nötig habe. Wir werden wandern, fotografieren, unendlich viele schöne Dinge erleben und noch mehr über uns selbst lernen. Ich werde Briefe schreiben, ganz altmodisch und eine Spur weit zu romantisch für meine Art. Und vielleicht lache ich am Ende dieser Reise einmal laut über diesen Text und meine unbegründeten Ängste.
Aber um all´das erleben zu können, muss ich erst einmal loslassen, Erfahrungen sammeln und endlich loslaufen. Ich muss raus aus dieser Enge zwischen Bett, Heizung und Technik, um meine eigenen Grenzen zu erkunden. Und genau dabei werde ich euch in den nächsten Tagen mitnehmen.

Alles Bilder entstanden in Edinburgh, Schottland. Wir sind einfach durch die Stadt gelaufen, haben das Castle besucht und sind am Ende auf dem Arthur´s Seat gelandet.

Kamera: Canon EOS 6D (hier)
Objektiv: Canon 24-105mm (hier)
Bildbearbeitung: Anleitung hier

Outfitdetails:
Jacke: Neuseeland
Mütze: Neuseeland
Hose: Topshop Second Hand über Kleiderkreisel
Schuhe: Reebok Second Hand von einer Freundin

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Malika

Ich freue mich auf dine Schottlandreihe und kann deine Gedanken vor dm Loslaufen so gut nachvollziehen. Auch ich bin letzte Woche einen Teil des WHWs gelaufen und auch ich habe es ohne Handy/Internet gemacht. Und meine größte Angst war der Kontakt zu meinem Freund, nicht, weil ich Angst hatte, keinen Kontakt zu ihm zu haben (ich hätte es ja jederzeit ändern können), sondern weil ich Angst hatte, dass er es nicht verstehen würd. Ich fühle mich oft abhängig von sozialen Medien und Kommunikationsgeräten, weil ich denke, dass die anderen es nicht nachvollziehen können und ich dann irgendwie ausgeschlossen werde, weil ich nicht mehr erreichbar bin.
Deine Fotos sind toll!
Alles Liebe,
Malika

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