Apr
30
17

Der Bloggerwahnsinn und meine Rolle darin

Ich habe letztens einen ziemlich langen Spaziergang mit meinem Freund gemacht. Diese Momente zwischen uns sind mir unglaublich wichtig, da ich vor niemandem sonst so vertraut reden kann und mir niemand so verständnisvoll zuhört und auch versucht einen Rat zu geben. Vor allem nicht, wenn ich mich wieder einmal in meiner endlosen Gedankenschleife über das Bloggen befinde.
Irgendwie hatte ich geglaubt, dass es mir gut tut etwas Abstand zu bekommen und meine Reise mehr zu genießen. Und das hat auch funktioniert. Aber irgendwie hat es doch nicht ganz geklappt.

Wahrscheinlich bin ich nur neidisch, weil ich mit Herz und Seele an meinem Blog arbeite und das Schreiben für mich eine Art der Selbsttherapie ist, ich aber trotzdem zurück hänge und nie ein echter Teil der Bloggerwelt sein werde.
Aber das will ich auch gar nicht – und diese Erkenntnis macht mich gleichzeitig glücklich und unglaublich traurig.

Es ist schwer das glamouröse Leben der Blogger einfach an sich vorbeiziehen zu lassen. Sie wirken glücklich, bekommen Geld, Kooperationen und haben sich trotz Zickenkrieg (der meistens sowieso gespielt ist und für Aufmerksamkeit sorgen soll) doch eine kleine Familie aufgebaut in der man sich freut auf einem Event ein bekanntes Gesicht zu sehen. Dazu kommen die Reisen, ein Punkt der mich wohl am neidischsten macht.
Ohne Frage, ich wäre gern ein Teil dieser Welt und wenn ich dann auf meinen eigenen Blog blicke, fühle ich mich klein und er kommt mir unwichtig vor. Ich hätte auch gern mehr Anerkennung für meine Arbeit, auch wenn ich mich oft bescheiden gebe und würde gern zu dieser Familie dazugehören. Zu welchem Preis ist aber die Frage die mich immer wieder abschreckt und auf den Boden zurückkommen lässt.

Die ganze Bloggerwelt ist beim genaueren Hinschauen nichts weiter als eine Horde gleichaussehender Mädchen die jeglichen Zugang zur Realität verloren haben. Ja, natürlich stehen daneben viele Ausnahmen, aber die großen Vorbilder können sich vor lauter zugeschickter Ware kaum retten. Wenn sie dann mal zu Hause sind um Pakete anzunehmen (und für Snapchat zu öffnen). Und wir alle unterstützen diesen Lebensstil, auch ich, weil wir selbst gern diese „kostenlosen“ Dinge hätten und den aufgehübschten, verschönerten Lebensstil gern selbst leben würden. Wer soll diesen Mädchen da noch die Realität zeigen?
Für mich persönlich wäre das Jetlagleben nur um ein Event zu besuchen nichts. Ich schaue mir lieber das Leben in einem anderen Land an und versuche meinen eigenen Konsum irgendwie in den Griff zu bekommen. Genau deshalb bin auch auch froh, niemals ein Teil zu sein.

Dennoch macht es mich fertig meinen eigenen Weg zu gehen und fast keine Verbündeten zu finden. Ich meine, selbst die kleineren Blogs in meiner Größe eifern ihren Vorbildern nach und schreiben eine Kooperation nach der Anderen. Das Thema ist dabei erst einmal egal, die Aufmerksamkeit muss stimmen. Denn sieht eine weitere Firma die Kooperation, will sie auch Werbung vom Blogger und auf diese Weise arbeitet man sich nach oben.
Wer heute noch anfängt einen Blog zu schreiben macht das selten aus Liebe zu seinem Hobby, sondern möchte irgendwann anfangen damit Geld zu verdienen. Wofür ich auch niemanden verurteile, aber den meisten Blogs sieht man das einfach an. Da gibt es keine Basis aus gut geschriebenen Beiträgen, sondern Schleichwerbung. Womit wir schon wieder beim nächsten Problem wären, aber dafür brauche ich mehr Nerven und einen weiteren Beitrag.

Auf jeden Fall fühle ich mich unglaublich allein mit dem was ich versuche zu tun und auch, wenn ich schon viele Beiträge von Bloggern gelesen habe denen es ähnlich geht, spielt am Ende jeder nach den Regeln.
Was mich am meisten schmerzt seid aber ihr Leser, denn irgendwie scheint euch das egal zu sein. Ihr feiert diese Statement und akzeptiert trotzdem, dass sich das Hamsterrad nach einer Woche wie üblich weiterdreht. Selbst angebotene Lösungsvorschläge werden abgelehnt.

Erinnert ihr euch noch an meinen Spendenbutton? Ich hatte die Schnauze voll eine Werbefigur zu sein und wollte meine Arbeit durch spenden gewürdigt wissen, von Lesern die ich mit meinen Texten erreichen kann. Diese Idee gefiel mir besser, als mich von großen Firmen sponsern zu lassen und nach einiger Zeit sind stolze 30€ auf meinem Konto gelandet, wofür ich unglaublich dankbar bin. Natürlich ist das bei weitem nicht der Betrag den ich mit einer Kooperation verdienen könnte, aber ich weiß, dass er von Herzen kommt.
Trotzdem scheint niemand von euch bemerkt zu haben, dass dieser Button in den letzten Beiträgen verschwunden ist. Zumindest hat sich keiner beschwert. Was, wenn ich jetzt anfange sinnlose Kooperationen anzunehmen, oder Fast-Fashion an euch verkaufe? Würdet ihr etwas sagen, oder einfach nur stumm entfolgen? Würdet ihr warten bis ich neue Follower finde die dieses Spiel mitmachen?

Vielleicht merkt man diesem Beitrag den Frust und die Enttäuschung an die schon eine Weile in mir schlummert. Und diese stammen zum großen Teil nicht einmal von mir selbst, sondern von der ganzen Entwicklung der Internetpersönlichkeiten und ihrer Leser dahinter.
Aber was soll ich machen, dieser Beitrag wird nichts daran ändern können, ich werde nicht daran ändern können. Das habe ich durch meinen Spendenbutton gelernt. Denn zu viele Menschen sind an diesem Spiel beteiligt und sie werden bestimmt nichts sagen oder ändern, solange sie gut daran verdienen. Und das kann ich auch irgendwo verstehen. Aber ich frage mich wo das Gewissen bleibt.
Ich glaube einzig und allein ihr Leser könnt etwas erreichen, weshalb ich auch meine Gedanken öffentlich teile. Sagt den richtigen Leuten, dass sie gute Arbeit leisten und entfolgt einfach denen die euch nichts geben. Denn die sich nur in ihrem eigenen Erfolg sonnen. Folgt ihnen nicht nur, weil ihr über sie lästern wollt, denn damit verdienen sie ihr Geld und dadurch dreht sich das Rad weiter.

Ich weiß, dass ist nicht einfach und Abstand davon wird man nie bekommen. Das habe ich selbst in den letzten Wochen erleben müssen. Aber man kann sich zumindest distanzieren und hinterfragen – auch öffentlich. Alles, wirklich alles ist besser als wortlos zuzusehen.
Wie es für mich weitergeht weiß ich ehrlich gesagt nicht. Aber ich weiß auch, dass ich das Fotografieren und Schreiben niemals aufgeben möchte nur weil mich der Konkurrenzkampf und das ganze falsche Lachen fertig macht. Ich werde einen Weg finden der sich für mich gut anfühlt, euch weiterhin Texte mit Herz und vor allem Authentizität gibt. Er muss nur noch gefunden werden.

Hose: Topshop // Schuhe: Dr. Martens // Pullover: Pull & Bear // Schmuck: Neuseeland

Alle eingefügten Links sind Affilinet-Links. Wenn ihr über diesen Link etwas kauft, bekomme ich eine kleine Provision von 5-10% vom Verkaufspreis, welcher sich aber für euch nicht ändert. Ich würde mich freuen, wenn ihr mich und meinen Blog unterstützt.

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Ich bin selber Bloggerin. Ich weiß nicht ob ich mich als dies bezeichnen sollte, wenn mein letzter Blogpost schon wieder 2 Monate her ist. Angefangen habe ich mit dem Bloggen über Bücher, das mir auch echt Spaß gemacht hat. Die Bookbloggercommunity hat mich auch herzlich willkommen geheißen und ich bin immernoch irgendwie ein Teil davon, auch wenn die Bücher nicht mehr so sehr auf meinem Blog zu finden sind. Ich war auch schon nach 4 Monaten auf ein nettes Treffen eingeladen. Für mich stand nie das Geld verdienen vorne oder so etwas in der Art. Für mich entstand das Bloggen einfach nur aus Neugierde, wie es denn so ist. Dadurch, dass ich anfangs viel geschrieben habe ist mein Blog dann auch ein wenig gewachsen aber nach ungefähr 8 Monaten (was schon echt wenig ist) hat das Bloggen einfach abgenommen. Ob das nun war, weil ich gefühlt niemanden richtig damit erreichen konnte oder weil mich das bücherbloggerdasein nicht mehr so interessiert hat. Dann habe ich immernoch hin und wieder was gepostet, jedoch nicht immer über Bücher. Für mich ist mein Blog jetzt nicht mehr so wichtig, vielleicht einfach nur eine kleine Plattform um etwas eigenes zu haben. Mein Blog ist viel zu winzig, als das sich groß Kooperationen oder ähnliches haben könnte. Trotzdem hab ich in diese Welt reingeschnuppert. Buchblogger haben ab einer bestimmten Größe die Möglichkeit Bücher kostenlos zu erhalten und sie dann zu rezensieren. Das fand ich natürlich super und habe auch ein paar Bücher rezensiert, die ich kostenlos zugesendet bekommen habe. Außerdem habe ich mit ein paar kleinen Shops kooperiert, die mir Artikel zur Verfügung gestellt haben, die ich dann auf meinem Blog vorgestellt habe. Diese kleinen Lädchen habe ich aber nicht nur um des Produktes Willen unterstützt, sondern auch weil ich ihre Idee toll fand und verbreiten wollte. Natürlich sollte das nicht die überhand nehmen aber das finde ich schon echt okay.

Ich kann vollkommen verstehen was du meinst, meine Liebe!

Genau so habe ich auch angefangen. Und ich unterstütze immer noch gern kleinere Shops die mich einfach überzeugen und bei denen ich weiß, dass sie kein großes Geld für Kooperationen aufbringen können. Wirklich schön mal aus einer anderen Nische zu hören 🙂
Liebst, Katja

Liebe Katja,
Danke für diesen Post!! Dein Blog war einer der Gründe wieso ich selbst vor fast einem Jahr zur Bloggerin wurde. Und das aus Freude am Schreiben, weil ich Spass daran hatte und ich eine Abschlussarbeit in der Schule darüber schrieb. Mein Blog ist im Vergleich zu deinem nochmals viiieeeel kleiner und ich habe mich schon so oft gefragt, wieso ich ihn überhaupt noch weiterführe. Ich finde es ist schwierig und vielleicht fast unmöglich seinem eigenen Stil und seinen Prinzipien treu zu bleiben und gleichzeitig zu diesem ,,Einheitsbrei“ von verdienenden, grossen Bloggern dazuzugehören. Ich finde es unglaublich schade, wenn sich 1. so interessante Blogs wie deiner in meinen Augen negativ verändern und zum oberflächlichen Fashion/Lifestyle/Reiseblog werden oder 2. ganz verschwinden. Ich wünsche dir deshalb ganz viel Energie, deinen Weg zu finden und deine Art trotzdem beizubehalten.
Herzlichst, Lexi

Ich finde es so schön dich inspiriert zu haben und wünsche dir nur das Beste für deinen Blog! Und so groß wie alle denken ist mein Blog gar nicht.
Viele Blogger aus dem „Einheitsbrei“ denken vielleicht sogar, dass sie ihren eigenen Stil gefunden haben und vielleicht haben sie das auch, aber meine Welt ist das leider nicht. Und ich weiß genau was du meinst, ich habe auch schon voller Schmerz solche Veränderungen an Blogs erlebt.
Liebst, Katja

Hallo Katja,

einen sehr schönen Beitrag hast du da verfasst. Ich kann deinen Frust und deine Unsicherheit, wie du das Bloggen weiterführen möchtest, sehr gut verstehen. Auch ich stelle mir oft genug die Frage, ob es wirklich Sinn macht mir über SEO den Kopf zu zerbrechen, nur damit ich auf Platz 2.623 anstatt 2.625 gerankt bin. Mein Blog ist so klein und unbedeutend, dass es nun wirklich niemanden interessiert, aber trotzdem macht es mir einfach zu viel Spaß an ihm zu arbeiten und zu schreiben. Ich möchte auch keine Sachen promoten von denen ich nichts halte und zu denen ich keine Verbindung habe, aber wäre es für mich ein Traum durch meinen Blog Reisen zu können.
Auch bei dem Folgen von großen Instagram/Blog Persönlichkeiten ist es schwierig. Zum einen weiß man, dass sie für Sachen werben hinter denen sie nicht stehen, aber es ist trotzdem interessant zu sehen was sie so machen und wo sie hinfahren. Zum Glück gibt es ja auch immer noch wirklich bekannte Blogger, die authentisch sind und nicht in jedem Post eine neue Marke vorstellen, aber ich kann deine Gedanken diesbezüglich nur verstehen…

Genieße Neuseeland und folge dem Weg, der dich glücklich macht!
Liebe Grüße
Pauline 🙂

http://www.mind-wanderer.com

SEO, damit habe ich vor Kurzem auch angefangen. Mal sehen wie lange noch 😀
Ich finde es schön, dass du deinen Blog aus Spaß schreibst und genauso ist das bei mir auch immer noch. Aber nach einer Weile entwickelt man sich weiter und genau diesen Traum wie du habe ich auch. Vielleicht mal ein bisschen Reisen, neue Menschen kennen lernen und der Welt die ein oder andere Sache vorstellen. Bloß mit meinem Gewissen macht sich das nicht so einfach.
Und ja, zum Glück gibt es viele authentische Blogger, aber daneben gibt es auch viele Werbefiguren die Geld verdienen möchten. Ich war auch schon überrascht von Menschen denen ich gern gefolgt bin zu hören, dass sie eine Kooperation angenommen haben weil sie das Geld brauchten und nicht gerade stolz darüber sind.
Liebst, Katja

Isabelle

Hey:)
Du hast dir ja auf instagram mehr Feedback gewünscht (was ich auch total verstehen kann) deswegen schreibe ich dir jetzt doch mal einen Kommentar. Ich lese deinen Blog jetzt noch nciht so lange, aber mir gefallen deine kritischeren Beiträge besonders gut also desinteressiert bin ich auf keinen Fall! Aber ich wusste nicht so richtig eas ich auf deinen Beitrag antworten soll weil es irgendwie auch keine richtige Lösung zu diesen Problemen gibt. Ich muss zum Beispiel selbst zugeben, dass mir nicht aufgefallen ist, dass der Spendebutton fehlt. Ich habe zwar schön öfter darüber nachgedacht Blogger (unter anderem auch dich) so zu unterstützen, aber da ich keine Kreditkarte habe war es mir zu aufwendig. Dafür habe ich mir vorgenommen Blogger, die ich gerne lese stärker durch Feedback zu unterstützen. Ich habe mich selbst nämlich auch mal am bloggen versucht bzw tue es immer noch und kann sehr gut verstehen, dass du dir mehr Anerkennung wünschst.
Ich hoffe mein Kommentar war jetzt halbwegs sinnvoll und hilft etwas gegen deinen Frust. Deine Texte (und Bilder) sind auf jeden Fall sehr interessant und ich hoffe, dass du bald eine Lösung für dich findest.
Alles Liebe
Isabelle

Danke dir für dein Feedback!
Keiner hat eine Lösung, ich hoffe sie findet sich bald. Mein Spendenbutton lief übrigens über Paypal. Und ich hoffe du bleibst aktiv, eine andere Meinung oder Diskussion zum Thema bringt auch mich oft zum Nachdenken.
Liebst, Katja

Jules

Hi liebe Katja,
dein Text hat mich persönlich berührt und ich möchte gerne ein paar (bzw. ziemlich viele) Sätze dazu loswerden.
Ich verfolge deinen Blog nun schon seit etwa einem Jahr, intensiver vor allem, seit ich erst vor ca. 3 Wochen selbst mit Instagram angefangen habe und deine Neuigkeiten über die Bilder daher regelmäßiger und schneller mitbekomme.

Ich verstehe deinen Frust bezüglich der „unbezahlten Arbeit“ und der damit einhergehenden Zeitinvestition „für nichts“ sehr gut. Ich bewundere deinen Wunsch, authentisch bleiben zu wollen und dich von der „Instagram-Masse“ abzuheben. Mein Eindruck von der Instagram-Mehrheit war der gleiche wie deiner, bevor ich selbst damit abgefangen habe.

Ich kann dich aus zwei Gründen sehr gut verstehen:
Erstens hatte ich selbst jahrelang einen (anonymen) Blog. Zweitens ist man in einem Alter, in dem man sich damit beschäftigt, was man in seinem Leben erreichen und womit man sein Geld verdienen möchte und realistisch kann.

Ich fand deine bisherigen Ideen diesbezüglich schonmal ziemlich gut.
Ich denke nur, du solltest bei deinen finanziellen Überlegungen allgemein nicht vergessen, dass selbst Zeitungen und alle möglichen sonstigen Informationsseiten im Internet (trotz hochgezahlter professioneller Vollzeitangestellter) mittlerweile für die Leser umsonst sind und sich fast ausschließlich über Werbung finanzieren. Bevor du dich von gescheiterten „Verdienstversuchen“ herunterziehen lässt, denke daran, dass es heutzutage fast unmöglich ist, im Internet ohne Werbung Geld zu machen.
Ich bin genauso wie du kein Fan von Produktplatzierungen auf Instagram. Ich finde diese Feeds völlig uninteressant, die „Werbung“ eher abschreckend und wenn ich schon lese, dass in der Beschreibung nichts steht als „PM for paid features“ frage ich mich, worin da überhaupt noch der Inhalt steht.
Aber man muss den Leuten lassen, der Erfolg gibt ihnen irgendwo Recht.
Im Internet finanziell ohne Werbung zu konkurrieren, ist quasi unmöglich.
(Außer du wirst Youtuber, dann müssen die sich mit der Werbung herumschlagen. Wäre ein Gedanke wert!)

Bezüglich deiner Enttäuschung, dass so wenig Rückmeldung zu deinem Post kam:

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Blogger und Instagrammer von ihren Interessen her deutlich unterscheiden. Instagram ist hektisch, schnelllebig, immer überbietend, die Leute hetzen durch die Feeds und hinterlassen Kommentare oft nur mit dem Hintergedanken, selbst mehr Aufmerksamkeit zu erregen.

Blogger sind meiner Erfahrung nach anders. Sie sind schwerer zu gewinnen, weil man Menschen finden muss, die sich WIRKLICH für die jeweiligen Themen interessieren. Einen Text muss man lesen, für ein Bild reichen wenige Sekunden. Mit der Zeit habe ich Leute gefunden, die die gleiche Liebe zur Sprache hatten wie ich, und mein einziger „Gewinn“ aus dem Zeitaufwand war, diese Liebe mit tollen Menschen zu teilen.
(Ich muss dazu sagen, ich hätte (bzw. habe lange) auch für mich allein geschrieben, wenn es niemand gelesen hätte.)

Lange Rede, kurzer Sinn: Du kannst nicht von Instagrammern erwarten, sich wie Blogger zu verhalten. Sicher folgen dir fast alle Leser auch auf Instagram, aber anders herum wird die Zahl wesentlich kleiner sein. Und das hat auch seinen Grund.

Ich habe auf Instagram innerhalb kürzester Zeit tolle, inspirierende, mutige, interessante, liebevolle Feeds gefunden.
Am Anfang war ich geschockt, dass diese Leute oft „nur“ wenige hunderte bis tausende Follower haben, während den inhaltslosesten Feeds Hunderttausende folgen (von den ganzen offensichtlich gekauften Followern mal ganz zu schweigen).

Aber damit muss man sich abfinden. Die Masse nimmt sich keine Zeit für Tiefergehendes. Du hast schon eine sehr große Community, die sehr aktiv an deinem Leben teilnimmt und dir regelmäßig unzählige liebenswerte Kommentare verfasst. Für Instagram-Verhältnisse sind alle schon sehr persönlich dabei.
Und du darfst auch nicht vergessen, wie wahnsinnig viel 16,000 Follower sind. Man verfällt in der modernen Welt gerne einem Größenwahn, der sich nicht mehr stillen lässt. 16,000 Menschen kannst du jetzt schon nicht mehr alle richtig kennen lernen, wenn du dir den Rest deines Lebens dafür Zeit nehmen würdest.

Versuch, dir darüber klar zu werden, in welche Richtung du gehen möchtest. Mach dir klar, dass du unterschiedliche Zielgruppen auf Instagram und deinem Blog hast.
Die Idee mit den Prints fand ich super für dich, um authentisch und auf deinem Niveau trotzdem Geld zu verdienen, und auch deine Modeblogs mit den Gewinnanteilen finde ich vielversprechend.

Für mich bist du eine der authentischsten und dabei sympathischsten Personen im Internet, und deswegen warst du auch eine der ersten, die ich mit meinem frischen Instagram-Account aktiv gesucht habe. Unterschätze die Oberflächlichkeit im Internet nicht, aber wirf dafür auch nicht deine Authentizität und Sympathie einfach weg, denn darauf gründet im Moment dein Erfolg (natürlich neben den atemberaubend schönen Bildern).
Es wird kein leichter, aber ich bin mir sicher, dass du einen guten Weg für dich findest, mit dem du am Ende glücklich wirst. Sei mutig, bleib dir selbst treu. Und vor allem: Nicht immer nur nach oben gucken! Schau auch mal stolz zurück auf alles, was du dir in den letzten Jahren mit deinem Blog aufgebaut hast.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen bzw. du freust dich über die Rückmeldung. Ich wünsche dir alles erdenklich Liebe & Gute auf deinem Weg!
(Und sorry für die halsbrecherische Länge 🙂 )

Ganz liebe Grüße, Jules

Hallo Jules,

du hast Recht, das sieht grausig aus. Ich muss mal schauen ob ich da was ändern kann. Danke trotzdem für diesen langen Kommentar!
Ich finde Werbung im Übermaß leider wie du ziemlich abschreckend, vor allem wenn man mehreren Bloggern folgt und genau sehen kann, wer in welcher Reihenfolge die Anfrage bekommen hat und wie sie alle versuchen etwas eigenes zu machen, dann aber doch alle für das gleiche Produkt werben. Über Werbung möchte ich mich also eher nicht hauptsächlich finanzieren, deswegen der Versuch nach einer Alternative. Um auszubrechen aus dem System und vielleicht auch ein bisschen wachzurütteln.

Und ich weiß auch, dass Instagram immer etwas oberflächlicher bleiben wird. Vielleicht klingt das jetzt etwas abgehoben, aber ich bin trotzdem von meinen Followern mehr gewohnt. Auch auf Instagram hatte ich schon spannende Diskussionen und gute Kommentare. Eine Leserin jedoch hat mir geschrieben, dass ich im Moment für sie ein bisschen zu viel poste (durch die Zeitverschiebung leider nur Abends und Morgens – da kommen dafür aber ein paar mehr Bilder) und sie deshalb überfordert ist. Vielleicht sollte ich wieder zum alten Prinzip zurück.

Dankbar bin ich natürlich trotzdem für alles was zur Zeit kommt und ja, 16.000 ist eine gewaltige Zahl die ich selbst nicht ganz begreifen kann. Darüber habe ich kürzlich erst einen Beitrag geschrieben. Die Sache mit den Prints werde ich auf jeden Fall durchziehen, eventuell biete ich Fotoshootings an. Scheint eine Lösung für mich, aber das Rad dreht sich trotzdem weiter. Mich macht es auch ein bisschen fertig nichts erreichen zu können und niemandem die Augen öffnen zu können.

Danke dir für alle Worte!
Liebst, Katja

Jules

P.S.: Falls es technisch möglich ist, wäre es sinnvoll, wenn die Kommentare die eingetippten Absätze einhalten. So als Blocktext ist das ja schrecklich zu lesen, sobald es länger wird! Sorry dafür 🙂

LIebe Katja,
in diesem Post sprichst du mir mehr als nur aus der Seele. Du bringst meine Zerrissenheit auf den Punkt!

Auf den ersten Blick mag sich mein Blog nicht groß von den EinheitsbreiSponsoredFashionSchönesLebenBlogs unterscheiden, die Mode ist einfach meine Leidenschaft. Gerade in die „Nische“ zwischen all den großen Bloggerinnen mit ihrem Erfolg fühle ich mich mit meinem Blog oft klein und unbedeutend, bin ich ja auch. Oft schiele ich ein wenig neidisch auf Großen im Business, genau aus den von dir beschriebenen Gründen. Anderseits bin ich oft auch ein wenig froh, da nicht dazuzugehören. Eben weil es nicht authentisch ist. Aber je länger ich über Bloggen nachdenke ( auch mit dem Hintergrund meines Studiums), komme ich zu dem Schluss, dass es wirkliche Authentizität nicht geben kann auf Blogs. Es ist immer die Bloggerin als Vermittlungsintanz, die entscheidet, was authentisch ist. Es wird nur ein Teil nach außen gezeigt, egal wie ehrlich dieser ist, vollkommene Authentizität ist das nie. Deshalb komme ich mir oft lächerlich vor, wenn ich auf meinem Blog über Authentizität schreibe.

Was genau ich mit diesem Kommentar ausdrücken oder bezwecken will? Ich weiß es nicht.

Auf jeden Fall will ich dir vermitteln, dass ich dich genau für diese öffentlichen Überlegungen sehr feier und hoffe, dass du es schaffst deinen Frieden mit deinem Blog/ deinem Standpunkt zu machen!

Liebst Jules

Darüber habe ich so noch nie nachgedacht. Ich bin für mich selbst authentisch indem ich immer bei der Wahrheit bleibe und Dinge beschreibe die ich selbst fühle oder erlebt habe. Das ich aber gewisse Teile verschweige, weil sie einfach privat bleiben sollen macht mich aber nicht weniger authentisch, oder? Eher menschlich.
Deswegen denke ich schon, dass du dich authentisch nennen kannst, wenn du ebenfalls diese Dinge beachtest. Ich glaube tiefgründiger möchte ich dabei auch gar nicht gehen, sonst habe ich noch eine weitere Existenzkriese. 😀

Liebst, Katja

Hey! 🙂
Also erstmal möchte ich sagen, dass ich den Frust sehr gut verstehen kann. ABER, ich weiß nicht, ob du dich an mich erinnerst, aber du hast mir mal bei Instagram ein paar Fragen beantwortet (Danke dafür nochmal 🙂 ) und du meintest zu mir, dass es nicht ums Geld verdienen geht, sondern dass man Spaß an der Sache hat. Und DAS ist es doch, was für DICH das Wichtigste ist, oder?
Ich finde, man kann den Lesern keinen Vorwürfe machen. Was will man erwarten? Sie bekommen ihren Lesestoff im Internet ständig umsonst. Warum auf einmal dafür zahlen? Das bedeutet nicht, dass ich das gut finde, aber was nicht hilft, ist die Leser verantwortlich zu machen, sondern man muss selbst seine Konsequenzen daraus zu ziehen. Ich selbst trenne ganz strikt zwischen Content, den ich meinen Lesern umsonst auf meinem Blog zur Verfügung stelle und Geschriebenes, das ich momentan versuche über einen Verlag zu veröffentlichen, sprich, dass ich irgendwann Geld dafür bekomme (hoffentlich :P) Das Buch ist mir in dem Fall einfach zu schade, um es für Lau im Internet zur Verfügung zu stellen.
Ich sprinte mit meinem Musikblog auch keinen Idol hinterher, hoffe allerdings trotzdem irgendwann Kooperationen angeboten zu bekommen, die zu mir passen, um vielleicht sogar doch über meinen Blog mal was zu verdienen. Allerdings in dem Fall nicht durch den LESER, sondern durch Firmen.
Vielleicht ist es für dich auch eine Möglichkeit, einen Teil deines Schreibens vom Blog abzusondern, um ihn Verlagen anzubieten oder über Self Publishing nur gegen Geld dem Leser anzubieten. Dann fühlst du dich vielleicht besser und verlierst auch nicht den Spaß am Bloggen.
Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen bzw. dir vielleicht ein paar Gedankenanstöße für deine Spaziergänge geben 😉

Ich hoffe du findest einen Weg, der dich nicht so ärgert und mit dem du dich wohl fühlst.

Ganz Liebe Grüße

Lena

Ich muss zugeben, dass ich von meinem Pfad abgekommen bin. Natürlich hast du Recht und der Spaß ist das Wichtigste. Das vergisst man schnell, wenn man andere Blogs liest und ihren Erfolg sieht und in genau dieses Loch bin ich auch gerutscht.
Deine Idee mit den Verlagen hatte ich auch schon einmal, allerdings habe ich leider keine Ahnung wie man so etwas bewerkstelligt oder da rein kommt. Hast du vielleicht ein paar Tipps?
Liebst, Katja

Zeilenzunder

Hallo Katja,
entschuldige, dass ich jetzt erst antworte.
Es gibt viele Möglichkeiten und gleichzeitig geringe Chancen.. leider. Das Manuscript zu einem Buch von mir liegt seit Monaten auf dem Schreibtisch zweier Indie-Verlage und zerfällt dort vermutlich zu Staub. 😀 Aber ich habe auch ehrlich gesagt mit nichts anderem gerechnet.
Mein nächster Schritt wird sein, dass ich mich an eine Literatur-Agentur wende und mich dort mit meinem Buch bewerbe. Wenn du Potenzial darin sehen und mich vertreten wollen, kümmern die sich um alles. Natürlich bekommen die Prozente, aber das ist mir dann wert.
Für mich ist das alles ein Prozess über Jahre, bei dem ich eine extreme Geduld habe (zum Glück, die ist nämlich auch nötig).
Wenn du noch mehr Fragen hast, schreib mir gerne mal eine E-Mail oder melde dich bei Facebook 🙂 Ich habe mich in das Thema inzwischen sehr gut eingelesen und einen groben Überblick.
Es gibt im Übrigen auch viele kleine Verlage für Kurzgeschichten oder Formate, die einem Blog-Beitrag nahe kommen.

Ich hoffe ich konnte dir ein bisschen weiter helfen. Melde dich, wie gesagt, immer gerne bei mir.

Liebe Grüße

Lena

Oh man, das ist schade. Aber muss man nicht sowieso mit Prozenten rechnen?
Ich habe eine Menge Fragen, dazu bräuchte ich aber erst einmal ein fertiges Buch 😀
Liebst, Katja

Ja na klar 🙂 Aber zum Verlag kommen dann eben noch zusätzliche Prozente für die Agentur drauf 🙂
Wie gesagt, melde dich, falls du noch fragen hast 🙂

Viele Grüße
Lena

Paula

Liebe Katja,
Es hat so gut getan diesen Beitrag von Dir zu lesen und deine ehrliche, aber trotzdem respektvolle, Kritik an der Blogger- und Medienwelt zu lesen!
Viel zu selten wird dieses Problem thematisiert und man kann sich vor reißerischen Titeln, Verlosungen (egal auf welcher Plattform) und Kooperationen kaum noch retten.
Da würde ich mir manchmal wünschen, dass man wieder anfängt mit Schreibmaschinen Briefe zu schreiben und ehrliche, lieb gemeinte Pakete verschickt- ohne immer gleich etwas im Gegenzug haben zu wollen. Das heißt aber nicht, dass ich auf das Lesen von Blogs verzichten möchte, denn ich lese wirklich wenige Blogs so richtig mit, also so, dass ich mich wirklich freue wenn ein neuer Beitrag online geht und ich mich da hinein denken kann. Letztes Jahr habe ich radikal aussortiert und Blogs aus meiner Lesezeichen Liste bei Google gelöscht, die eben genau auf diese Schiene aufgesprungen sind und es immer oberflächlicher wurde.
Was ich mir von dir und deinem Blog wünschen würde, den ich wirklich wunderschön finde (sowohl von den Inhalten als auch vom Design und den Fotos), ist dass du weiter machst! Und sollte sich eventuell eine Kooperation anbieten, die zu dir passt und die du unterstützen magst fände ich das vollkommen in Ordnung und nachvollziehbar, denn ich denke, solange es eine Kooperation ist, die dir am Herzen liegt, dann wird deine Leidenschaft zum Schreiben und die Authentizität nicht darunter leiden.
Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles alles Gute und hoffe, dass noch mehr Menschen das ,,klick“ hören und die ,,mainstream“ Bloggerwelt hinterfragen und sich ein urteil darüber bilden. Selbst wenn viele danach immer noch sagen, dass sie diese Kooperationen und in meinen Augen oberflächlichen, Erfolgsorientierten und unpersönlichen Blogs weiter folgen wollen, dann bitte, aber immerhin wurde sich dann mal kritisch damit auseinandergesetzt.
Genieße noch die verbleibende Zeit im wunderschönen Neuseeland, wo es an vielen Orten ja gar nicht so schwer fällt diese Probleme für einen Moment zu vergessen und mach wieter so! Ich lese mir auch deine Gedankenfetzen durch 🙂
Liebe Grüße aus Hamburg,
Paula

Weil du gerade darüber schreibst, ich habe vor kurzem auch meine Instagramabboneten-Liste aussortiert und sollte das dringend auch bei den Blogs machen. Man abonniert so viele und vergisst zu deabbonieren. Negativer Einfluss ahoi!
Ich glaube, dass ich auf jeden Fall bereit bin Kooperationen anzunehmen, sie authentisch zu bearbeiten und ich habe endlich eingesehen, dass man eben nur von einem Blog leben kann, wenn man sich selbst verkauft. Und das möchte ich nicht.
Dankeschön!
Liebst, Katja

Wer dazu gehört, der büßt auch ein wenig Individualität ein! Bisher habe ich kaum Kooperationen gemacht, viele Produkte, die ich vorstelle, sind selbsr gekauft (natürlich nicht alle, aber die meisten). Ich finde Kooperationen auf Blogs grundsätzlich OK, wenn sie als solche gekennzeichnet sind und vor allem ehrlich sind. Die neue Hautcreme nach 3 Tagen bewerten? Wie ehrlich kann das sein? Nur für Geld schreiben finde ich auch schwierig, aber nebenbei immer mal wieder, wieso nicht? Besser wenige und wirklich treue Leser als Eintagsfliegen, die nie wieder kommen. Also lass dich nicht so sehr runterziehen, bleib lieber so wie du bist!

Rose

ich möchte dazu eigentlich nur 3 Sachen sagen:
1. wow!
2. ich habe sehr großen Respekt vor dir
3. gehe deinen Weg so, wie er für dich richtig ist und nicht für irgendwelche Leute, die du nicht kennst. Bleibe dir treu

Johanna

Ich hab dein Instagram gerade erst entdeckt, bin dann gleich auf deinen Blog gegangen, weil ich irgendwie schon „alternative Gedanken“ erwartet habe und ich wurde definitiv nicht enttäuscht. Ich glaube, ich habe noch nie so einen authentischen Blogeintrag gelesen. Deine Worte haben mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Ich spiele schon lange mit dem Gedanken, selbst einen Blog zu beginnen. Einerseits, weil ich wirklich sehr gerne schreibe und gerne einen positiven Einfluss auf die Welt haben würde, indem ich vegan/ fairfashion/ umweltbewusst als Themen anspreche. Andererseits aber auch, weil ich das Leben der Blogger bewundere. Die so viel reisen, so frei sind. Oder zumindest so wirken. Und genau deshalb hab ich es wohl immer noch nicht gemacht. Weil ich irgendwie Angst davor habe, dass ich mich in der Bloggerwelt verlieren würde…
Wow, ich hab noch nie irgendwo so einen langen Kommentar hinterlassen, aber irgendwie hab ich so das Gefühl, du verstehst was ich meine.
Dein Blog wird auf jeden Fall noch genauer von mir inspiziert. Der wirkt wie eine echte Schatztruhe! 🙂

Hör auf das Leben der Blogger zu bewundern, das ist es nicht wert. Aber wenn du das Bedürfnis hast zu schreiben, dann mach es aus diesem Grund 🙂

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