Jan
05
16

Das kleine Mädchen umringt von spielenden Kindern, welche sich des Lebens erfreuen und dumme Witze machen

Ich sitze in der Schule. Allein. Jeden Tag. So unzählig viele Stunden. Ich würde nicht behaupten wollen jeder in der Klasse mag mich. Nein, ganz im Gegenteil. Vielleicht wird hinter meinem Rücken sogar gelästert. So wie über jeden. Über „Andere“.
Ich weiß es nicht. Würde vielleicht gern einmal zuhören. Vielleicht auch lieber nicht. Wer weiß schon was da geredet wird? Ich nicht.

In meiner Klasse gibt es Leute die ich mag und welche die ich nicht mag. So wie das immer ist. Insgeheim werden sie das wissen, aber äußerlich sind wir nett und freundlich miteinander. So wie sich das gehört. Manchmal vielleicht nicht auf die allerfreundlichste Art. Aber das klingt normal wenn man beachtet, dass wir uns jeden Tag sehen müssen. So unzählig viele Stunden. Und trotzdem bin ich allein.

Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Außenseiter. Denke ich zumindest, denn diese Rolle nehmen bei uns andere Menschen ein. Aber ich scheine auch den Anschluss nicht finden zu können.
Früher saß ich mit meiner besten Freundin in der Klasse. Wir haben alles gemeinsam gemacht, hatten immer jemanden auf den wir uns verlassen konnten und waren unzertrennlich. Wir haben zusammen gelacht und waren ein Team. Nur wenn sie nicht kam war ich allein.
Jetzt ist sie weg. In einer anderen Klasse und ich finde den Anschluss nicht. Äußerlich betrachtet habe ich viele Freunde. Aber dem näheren Betrachter springt die Oberflächlichkeit förmlich an. Ständige Diskussionen über Lehrer, Noten und Lästereien. Jeder will der Beste sein, alle sind neidisch und lachen aus Höflichkeit mit dir.
Ich mag das nicht mehr.

Möchte weglaufen, ganz weit, aber ich kann nicht. Ich muss mir jeden Tag nervige Gespräche anhören, jeden Tag weiter eine gute Mine aufsetzen und die innere schlechte Laune, den Unmut, verbergen. Dabei werde ich immer verwirrter.
Ich habe das Gefühl meine richtigen Freunde verloren zu haben, nicht mehr unterscheiden zu können wer etwas Gutes von mir möchte und wer nur schadenfroh ausnutzt. Mir fehlt eine Person zum Reden, jemand der mich in den Arm nimmt und mich aufmuntert.
Ich möchte endlich raus aus dem Schulstress, meine Sachen packen und wegfliegen. Ganz weit weg. Aber so kurz vorm Schluss kommt aufgeben nicht in Frage. Ich zähle die Monate, Wochen, Tage und Stunden bis zum
bitteren Ende der Oberflächlichkeit. Danach wird es keine falschen Worte mehr geben, kein aufgesetztes Lachen und keine Hähme.

Bis dahin werde ich weiter jeden Tag in der Schule sitzen. Allein. Vertrauen verschenkt sich nicht ganz einfach. Manchmal fühle ich mich wie im Kindergarten. Das kleine Mädchen umringt von spielenden Kindern, welche sich des Lebens erfreuen und dumme Witze machen. Jeder auf sein eigenes Existieren fixiert, kein Auge für die Welt mehr übrig. Eine schöne Überschrift.

Ich habe lange mit mir gehadert auf ‚Veröffentlichen‘ zu drücken, als ich diesen Text geschrieben hatte. Seit ungefähr 2 Monaten ruht er in der Entwurfsliste, ich habe euch schon in meinem Jahresblick darüber erzählt. Die Wahrheit ist ich hatte Angst. Ich war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders glücklich und musste mich jeden Tag quälen aufzustehen und die Schule zu betreten. Sie war zu einem Ort des Hasses geworden. Jetzt, eine Ferienwoche und einen Jahreswechsel später, zieht sich diese Situation weiter durch mein Leben, als wäre nichts passiert. Ich habe also diesen Text erneut aufgerufen und mir ist etwas klar geworden. Ich werde diese Zeit überleben und erwachsener daraus hervorgehen. Die Situation wird mich nicht umbringen und ich werde mich nicht unterkriegen lassen. Mein eigener Weg wird dadurch nur gestärkt und gefestigt. Dies in Worte zu fassen hilft mir ungemein und lässt mich daran glauben. Jetzt wo es hier steht, schwarz auf weiß habe ich endlich verstanden was ich tun muss.

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14 COMMENTS

Weisst du, genau so ging es mir während meiner Lehre. Eigentlich in jeder Schule in der ich war. Das erste halbe Jahr war alles super und toll, danach passierte genau das was du beschreibst. Jedes verdammte mal war ich dann einfach da, hoffte das alles vorbei ging und war eigentlich das Gegenteil von dem was ich sein wollte und sonst auch war. Auch wenn ich es niemals gedacht hätte, ich mache zurzeit eine Erwachsenen Schule und bin seit 1 1/2 Jahren in dieser Klasse. Hier war es genau umgekehrt, das erste halbe Jahr war ruhig, doch mittlerweile habe ich hier wirkliche Freunde gefunden, wir gehen immer nach der Schule gemeinsam eins trinken und niemand lästert über den anderen. Irgendwo ist doch noch Hoffnung.

Liebe Grüsse
Faye

Wie schön das du jetzt endlich ein paar wirkliche Freunde gefunden hast. Ich glaube das liegt auch ein bisschen am Alter und der Reife der Klasse 😀
Liebst, Katja

Wie gut ich diese Gedanken kenne.
Mir ging es in meiner ersten Schulzeit ganz genauso – und ehrlich gesagt ist es jetzt in der Abendschule nicht anders. Obwohl die meisten fast 10 Jahre älter sind, hat sich am Neid, am Lästern und an der Oberflächlichkeit nicht viel geändert …

Kopf hoch!
Den Anschluss nicht zu finden klingt hart – kann aber auch ein Segen sein.

Liebst
Justine
http://www.justinewynnegacy.de/

Bei dir könnte ich mir sogar vorstellen, dass viele Leute wegen deines Aussehens nichts mit dir zu tun haben wollen. Dabei finde ich das grade cool!
Danke für deine lieben Worte
Liebst, Katja

Ich glaube, viele kennen das Gefühl nicht allein, aber einsam zu sein. Aber der letzte Satz ist doch der Beweis dafür, dass du an Erfahrungen nur gewinnen kannst. Und ich denke, damit dass du deine Gefühle in Worte gefasst hast, fühlen sich deine Leser ein bisschen weniger einsam.
(Aber es ist schon ironisch, wie du dich der ganzen Welt öffnest und trotzdem das Gefühl hast, niemandem vertrauen zu können :') fühl dich gedrückt!)
Liebste grüße
Nessa

Ich glaube das Problem ist einfach das ich in meinem Zimmer sitze, die Ruhe und Gemütlichkeit genieße und dabei vollkommen vergesse wie viele Menschen das hier lesen. Einfach weil es sich heimisch anfühlt hier zu schreiben und ich euch nicht persönlich kenne und mich damit auch nicht rechtfertigen muss. Aber du hast schon Recht, ein bisschen ironisch ist es 😀
Liebst, Katja

Ich glaube, viele kennen das Gefühl nicht allein, aber einsam zu sein. Aber der letzte Satz ist doch der Beweis dafür, dass du an Erfahrungen nur gewinnen kannst. Und ich denke, damit dass du deine Gefühle in Worte gefasst hast, fühlen sich deine Leser ein bisschen weniger einsam.
(Aber es ist schon ironisch, wie du dich der ganzen Welt öffnest und trotzdem das Gefühl hast, niemandem vertrauen zu können :') fühl dich gedrückt!)
Liebste grüße
Nessa

Wie offen du bist! Ich kenne das damals auch noch. Im Nachhinein weiß man auch, mit wem man nur "befreundet" war, weil man sich jeden Tag gesehen hat. Wegfliegen ist super, aber die Arbeitswelt ist nicht besser. Klingt total Klischeemäßig, aber oft wünsche ich mir die Schule zurück. Die Schule ist im Vergleich zur Arbeitswelt ein Kindergarten! Auch hier wird dir ins Gesicht gelacht und hinter dem Rücken gelästert. Oder du wirst nieder gemacht, musst aber dennoch immer freundlich bleiben…

Stimmt, man sieht wer nach der Schule alles aus dem Blickfeld verschwindet 😀
Ich glaube das kommt auch ein bisschen auf den Arbeitsplatz an. Wo arbeitest du denn?
Liebst, Katja

das ist wirklich erstaunlich, ich liebe diesen Beitrag!
XX
http://www.vickydress.ch

Liebe Katja,
so ging es mir früher auch einmal. Aber hast du es schon einmal so gesehen: Es gibt natürlich Gesellschaftliche "Regeln", aber du allein entscheidest ob du dich daran hältst oder nicht. Man denkt sich manchmal "das kann ich doch nicht machen" und verstellt sich um anderen zu gefallen oder weil man denkt dann besser mit ihnen auszukommen, aber manchmal tut es ganz gut direkter zu sein, man selbst zu sein und vielleicht bemerkt man dann, dass die anderen einen auch so akzeptieren oder vielleicht sogar mitziehen.
Nichtsdestotrotz hast du es ja nicht mehr lange, ich drück dir die Daumen, dass auch die restliche Zeit noch schnell rum geht! 🙂

Vielen, vielen Dank, dass du auf veröffentlichen gedrückt hast! 🙂
Mir geht es oft genauso und es ist schön und tröstend zu wissen, dass man nicht alleine ist…
Einige meiner Freundinnen meinen, sie wollen garnicht, dass die Schule vorbei ist, weil wir uns dann nicht mehr sehen, aber ehrlich gesagt freue ich mich darauf, endlich weg zu kommen… :/
Liebe Grüße

Ein toller Text, mir ging es jetzt im Abitur genauso. Allerdings kamen zu viele Faktoren zusammen und ich musste abbrechen.
Ich finde es aber gut, dass du weiter machst und nicht aufgibst.
Wünsche dir ein schönes Wochenende.
Liebe Grüße, Michelle von beautifulfairy

Anonym

Kann auch ich als Mann nachvollziehen, geht mir genauso.

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