Jul
10
17

Außenseiterin

Sie saß allein in ihrem Zimmer, während sie den Stimmen von draußen lauschte, welche leise unter dem Türrahmen in ihre Ohren drangen. Mit angezogenen Beinen und Kopf auf den Knien, hörte sie lachende Stimmen, eine angeregte Unterhaltung und Zusammenhalt. Aber dieser erreichte sie nicht in ihrem kalten dunklem Zimmer.
Wie gern wäre sie einfach aufgestanden und hätte sich dazugesetzt. Wie gern würde sie jetzt einen Platz an diesem Tisch haben und mit ihnen gemeinsam lachen. Wie gern würde sie ein paar ihrer Geschichten erzählen und einfach dazugehören.

Aber sie wusste was passieren würde. Keiner würde ihre Geschichten anhören wollen. Keiner würde mit ihr gemeinsam lachen wollen. Keiner wollte sie wirklich dabei haben. Also blieb sie allein in ihrem kalten Zimmer sitzen, lauschte den warmen Stimmen von draußen und fühlte sich einsam. Wie schon so oft in ihrem Leben.
Sie erinnerte sich nicht gern zurück an alte Zeiten, auch wenn die Gegenwart nicht unbedingt glücklicher für sie lief. Denn sie war schon immer irgendwie anders gewesen, sie hatte sich schon immer irgendwie anders verhalten und sie war genau deshalb schon immer irgendwie in sich gefangen. Sie war eine Außenseiterin, eine Einzelgängerin und zwischen ihr und der Außenwelt hatte sie eine dicke Mauer gebaut.

Nicht unbedingt, dass sie oft enttäuscht worden wäre, sie konnte nicht mit den Anderen fühlen, oder falsches Interesse heucheln. Sie zeigte einfach nur ihr wahres Ich nach außen und genau jenes wollte keiner sehen. Deswegen wurde sie abgeschoben, in eine dunkle Ecke, in ihr kaltes Zimmer und keiner wollte sie dabei haben.
Sie versteht bis heute nicht, warum. Denn sie würde gern dazu gehören. Aber jede neue Abweisung, jedes „wir wollen nicht mit dir reden“, hatte weitere Selbstzweifel in ihr erschaffen und diese hatten sich zu einem großen schweren Haufen zusammengetragen.

Sie wagte den Schritt auch heute nicht. Diese Barriere, die Tür zwischen ihr und der lachenden Gesellschaft war zu schwer, um sie zu durchdrängen. Eine Träne lief ihr über die Wange, als sie sich auf dem Bett zusammenrollte und wieder einmal allein einschlief.

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5 COMMENTS
Eva

Hey 🙂 Ich habe keine Ahnung ob du dich noch an mich erinnerst… Durch Zufall stieß ich auf deine Insta Seite und war von deinen Bildern und Texten sofort gefesselt. Ich kannte dich und weiß nicht ob ich es immer noch tue… Auf jeden Fall ein Riesen Kompliment an dich. Die Themen sind interessant, dein Stil wunderschön und mehr gibt es kaum zu sagen. Wirklich top.
Liebe Grüße 🙂

Hey, natürlich erinnere ich mich noch, die guten alten Sportschulzeiten 😂 Ganz liebe Grüße an dich ☺️

Eva Köckritz

An die guten alten Französisch Zeiten meinst du wohl 😋 Liebe Grüße zurück.

Carlotta Sophie Fuchs

super schön geschrieben, und das lesen macht bei solch interessanten Themen gleich viel mehr Spaß!

#habenwollen 🌵🌵

wirklich wunderschöner Text. auf wundersame Weise hast du Emotionen in Worte gepackt, die mich sehr berühren. Deine Texte basieren auf eigenen Erfahrungen, oder?
liebste grüße x

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