Ich schiele von der Seite auf die Wortkombination, welche schon fast seit meinem Einzug an unserem Kühlschrank hängt. Kühlschrankpoesie.

Mit einem Schmunzeln auf den Lippen muss ich daran denken, wie ich damals auf dem Boden saß und begeistert kleine Magneten an die Tür zur Kälte heftete. Jetzt habe ich nie wieder ein kreatives Loch, auf wiedersehen Schreibblockaden, dachte ich mir und formte aus den Worten eine Angst Stadt Wein Person.
Der Begriff erschien mir sehr passend für meine damalige Situation. Wie ich neu in eine fremde Stadt zog und anfing zu studieren, immer diese Nervosität im Nacken. Wie ich versuchte meine Gefühle im Wein zu ertränken.

Ja, ein kleines bisschen fühlte ich mich wie eine richtige Schriftstellerin, wie ich am Abend an meinem dunklen Schreibtisch saß und am Tag die Vorlesungen besuchte. Ich schrieb damals einige meiner liebsten Texte, kann aber heute trotzdem nur über meine Naivität lachen. Als würde ich mit irgendwelchen belanglosen Zeilen etwas verändern können.
Alles was von dieser Zeit übrig geblieben ist, klebt jetzt in Form von 4 Magneten an unserem Kühlschrank, vor genau dem ich jetzt stehe. Ich könnte sie wegschieben, oder neue Sätze aus ihnen bilden, aber etwas lässt mich innehalten. Ich bringe es nicht über das Herz.

Die Begriffe sind immer noch die Gleichen, aber ihre Bedeutung hat sich für mich geändert. So, wie das mit geschriebenen Worten manchmal passiert, man muss sie immer aus dem Kontext heraus betrachten.
Ich kann gar nicht genau sagen, in welche Richtung sich die Bedeutung der Angst Stadt Wein Person geschoben hat, weil diese 4 Magneten so vielseitig sind. Sie spiegeln meine Angst wieder, davor keinen Halt und keine Zukunft zu finden. Meine Nähe zur Natur und gleichzeitig die völlige Überforderung in großen und kleinen Städten. Sie erzählen von einsamen Abenden und lachenden Gesichtern an verschiednen Tischen, um mich schlussendlich an eine wichtige Tatsache zu erinnern:

Wir sind alle nur Menschen und vielleicht ist die Existenz eines einzelnen doch ziemlich unbedeutend. 

Schon während ich diesen Text schreibe und mir den Kopf über 4 Kühlschrankmagneten und eine Angst Stadt Wein Person zerbreche, wird mir bewusst wie viel Lebenszeit ich mit belanglosen Gedankengängen verbringe. Kein Wunder, dass die Stimme immerfort vor sich hin plappert und keine Ruhe geben mag, scheitere ich schon an diesen Zeilen mit einem klaren Gedanken.
Doch das bin irgendwie ich, diese Angst Stadt Wein Person mit, beziehungsweise ohne, ihr Selbstvertrauen. Und während ich schon wieder viel zu lange vor dem Kühlschrank stehe, öffne ich kurzerhand die Tür mit ihren Sätzen, Worten und Bedeutungen, hole mir ein Glas aus dem Schrank hinter mir und nippe an dem dunkelroten Getränk. Darüber grübeln kann ich auch noch morgen.

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