Fehler sind nicht einfach. Obwohl das vielleicht falsch ist, ich sollte schreiben Fehler sind einfach und schnell gemacht. Aber es ist nicht einfach sich selbst das eigene Versagen einzugestehen, daraus zu lernen, aufzustehen und weiter zu laufen. Und genau das sollten wir viel öfter tun, statt uns selbst zu bemitleiden, alles schlecht zu reden und einfach liegen zu bleiben.
Denn selbst wenn wir unsere eigenen Fehler nicht beseitigen können und vor einer unüberwindbaren Wand aus Problemen stehen, gibt es Menschen die uns das Leben einfach machen. Ja, da draußen sind tatsächlich Menschen die uns weiterhelfen und wir sollten genau diese Hilfe viel öfter annehmen, anstatt immer wieder an unsere Eitelkeit hängen zu bleiben.

Es hilft sich seine eigenen Fehler einzugestehen und später zu überlegen, wie der Weg weitergehen kann. Und wenn man nicht allein weiterkommt, hilft es zu reden und seine Probleme mit der Welt zu teilen – das hätte ich schon viel eher erkennen müssen.

Aber da ich versuche zu lernen, möchte ich euch eine kleine Geschichte von der Nacht erzählen in der ich das 2. Mal zusammenbrach. In der Hoffnung das nächste Mal eben nicht mehr an genau diesem Punkt zu stehen. 

Wer mich kennt weiß, dass ich nicht dieser Typ von Mensch bin der gern unter Leute geht, geschweige denn gern irgendwelche Partys besucht. Ich bin glücklich, wenn ich mit einem guten Buch zu Hause sitzen kann, oder einfach bei einem Sommergewitter aus dem Fenster schaue und vor mich hinträume.
Große Gruppen und vor allem unbekannte Gesichter versetzen mich automatisch in Angst. Mein Herz schlägt dann schneller, meine Hände werden schwitzig und wenn ich angesprochen werde wird mein Kopf automatisch rot. Das ist eine Tatsache, dagegen komme ich nicht an. Manchmal schaffe ich es meine Nervosität zu verbergen, manchmal verfalle ich ihr schon in den ersten Sekunden.

Und trotzdem…

… ließ ich mich in der letzten Woche gleich zwei mal überreden mitzugehen. Ich verließ meine Wohnung, zog die Tür mit einem mulmigen Gefühl hinter mir zu und schüttelte fremde Hände. Ich lachte, obwohl mir innerlich eher nach Weglaufen zumute war. Ich trank Wein um stehen zu bleiben, obwohl ich mich einfach nur unter meiner warmen Bettdecke verkriechen wollte.
Normalerweise sage ich „nein“ zu diesen Abenden, weil ich weiß wie viel Kraft sie mich kosten. Ich weiß, dass ich spätestens nach einer Stunde meine Anwesenheit bereue. Für mich ist es einfacher in meiner Gedankenwelt zu verschwinden, mir zu Hause zu überlegen was ich in diesem Moment alles verpasse und trotzdem zu wissen, dass ich für mich die richtige Entscheidung getroffen habe mit der ich mich besser fühle.

Aber was tut man nicht alles für seine Freunde.

Ich ging also mit, fühlte mich unheimlich fehl am Platz und umschloss mein Glas Wein mit zitternden Händen. Den ersten Abend überstand ich mit Müh und Not, die Verabredung am nächsten Tag musste ich absagen. Noch mehr soziale Kontakte hätte ich in diesem Moment einfach nicht geschafft. Am zweiten Abend …
Ja, über den zweiten Abend fällt es mir schwer zu schreiben. Ich erinnere mich daran loszugehen, ich erinnere mich an feuchte Händedrücke, ich erinnere mich daran wie ich die Hand von meinem Freund ergriff, um nicht unterzugehen.

Ich weiß, dass ich einfach nur noch nach Hause gehen wollte, aber aufgrund mehrerer anderer Komplexe meinerseits gezwungen war zu bleiben. Bis wir dann die Veranstaltung verließen und mir schon auf dem Weg in meine sichere Höhle die Tränen über die Wangen liefen.
Die nächsten Stunden, die nächste Nacht war unendlich lang. Ich lag auf dem Bett, unfähig mich zu bewegen, unfähig aufzustehen. Alles was ich zustande brachte war ein leises Wimmern, ein paar salzige Tränen die auf das nasse Kissen tropften und das ständige Atmen nach Luft. Ich fühlte mich wie damals und sah einfach keinen Ausweg aus meiner Lage.

So vergingen Stunden, so verbrachte ich die Nacht und den nächsten Morgen. Wie ein kleines Kind schleifte mich mein Freund unter die Dusche, ich war immer noch unfähig mich zu bewegen. Da war dieser Schmerz in meiner Brust und trotzdem fühlte ich gar nichts.

Zwischen den Schluchzern endete ich immer wieder in den gleichen Gedankengängen. Ich dachte daran wie unfähig ich war, nicht einmal in einem Raum voller Menschen stehen zu können. Ich dachte daran wie unnötig mein Verhalten gerade ist, schließlich bin ich erwachsen und kein kleines Kind mehr. Und ich dachte daran wie unbedeutend doch die Existenz einer einzelnen Person ist.
Ich habe keine Ahnung wieso ich so verzweifelt war, geschweige denn warum ich mich immer weiter in die Situation hineingesteigert habe. In meinem Kopf war einfach kein anderes Handeln möglich und während mein Freund erneut wie damals auch neben mir saß, konnte ich ihm nicht sagen was mir fehlt.

Bis ich mir nach der Dusche die Tränen aus dem Gesicht wischte, mir die Zähne putze und raus in den sonnigen Tag ging. Gezwungen die Mundwinkel nach oben zu ziehen als wäre gerade nichts passiert.

Wo liegt dein Problem, fragt ihr euch jetzt vielleicht und ich kann euch darauf nur eine Antwort geben. Ich habe vergessen aus meinen Fehlern zu lernen und bin erneut in einen großen Haufen aus Mist getreten. Und dann, als mir alles zu viel wurde schaffte ich es nicht nach Hilfe zu fragen.
Ich habe es nicht geschafft nach Hause zu gehen, ich bin in dem stickigen Raum stehen geblieben und habe über schlechte Witze gelacht. Ich habe es nicht geschafft mein Problem zu teilen und fühlte mich wieder einmal allein, klein und verletzlich. Erfahrungen, die ich mir hätte sparen können.

Genau deshalb sollten wir öfter über unsere Gefühle sprechen. Damit niemand unverstanden im Raum stehen muss und damit keiner Rätselraten spielt, um die Ursache dafür herauszufinden. Reden hilft und die Hilfe die darauf folgt hilft noch viel mehr.
Vergesst nie, dass wir alle nur Menschen mit unseren eigene Baustellen sind. Und wenn wir diese teilen, machen wir uns nicht nur verletzlich, nein. Dann zeigen wir Stärke und machen es auch unseren Freunden und Freundinnen, oder vielleicht auch völlig fremden Personen einfacher uns zu verstehen und zu Helfen. 

Wir sind alle verletzlich und wir sind alle Menschen mit Gefühlen.

OUTFITDETAILS

SHARE
KOMMENTARE

Danke! Es beeindruckt mich, wie du die Dinge aufgreifst und formulierst doch noch mehr bin ich überrascht. Ich sehe deine Bilder auf instagram und stelle mir eine Person vor, die laut lacht, wenn jemand erzählt, jemand bei der man nie eine „peinliche Stille“ hätte weil es immer irgendwas aus ihrem Leben zu erzählen gibt, einfach einer von den Leuten die mir irgendwie falsch aber gleichzeitig so offen vorkommen, dass ich sie fast darum beneide. Ich hoffe du greifst das nicht negativ auf, denn ich kenne dich nicht ein Stück. Aber deine Worte helfen mir 🙂 danke dafür!

Wow.. das sind so inspirierende Worte, die du dort aufgeschrieben hast! Danke, du hilfst mir gerade dabei, dass mir ein paar Dinge bewusst werden. Ich denke die letzten Wochen schon viel über bestimmte Themen nach und werde meistens immer traurig, doch du zeigst mir gerade, dass es wichtig ist, sich zum beispiel bei Freunden zu melden und ihnen davon zu berichten und nach Rat und Beistand zu fragen. Mir wird gerade einiges bewusst. Danke für diese wahren Worte!