Aug
09
17

Allein. Es fühlt sich komisch an diese Worte aufs Papier zu schreiben, sie klingen so endgültig, wie sie dort schwarz auf weiß stehen und mich fast schon vorwurfsvoll anblicken. Aber jetzt bleibt keine Zeit um einen feigen Rückzieher zu machen, ich drücke behutsam die „Enter“-Taste meines Laptops.
Ein einfacher Selbstversuch sollte das Ganze werden, eine Suche nach Inspiration. Manchmal tut es gut in seinen eigenen alten Gedanken zu stöbern und seinem jüngeren Ich zuzuhören, rückblickend seine eigenen Fehler zu betrachten, oder sich in bessere Zeiten zurückzuwünschen.

Heute jedoch habe ich diesen Entschluss nur durch einen großen Kampf mit mir selbst beschließen können, bereue die Entscheidung aber jetzt schon wieder 10 Sekunden nachdem ich sie getroffen habe und das kleine Wörtchen welches mich zur Zeit sehr beschäftigt in die Suchzeile meines eigenen Blogs getippt habe.
Gefühle legen sich manchmal wie ein grauer Schleier über mein Leben, ich kann sie zwar sehen und beschreiben, komme aber nur schwer wieder aus ihnen heraus um meinen Blick zu erweitern. Das Alleinsein ist eines von ihnen, oder das „Zurückgelassenwerden“, das „Egalsein“, oder auch einfach pure Traurigkeit. Ich treibe dann einfach ganz langsam in diesem grauen Nebel und in mir drin meldet sich mein kleiner Feind zu Wort, diese laute Stimme die mich immer wieder in das Loch hineinzieht.

Ein klassischer Fall von Selbstmitleid, werdet ihr jetzt sagen, aber ich mag es nicht damit abgestempelt zu werden, weil sich alles so viel anders anfühlt. Ihr werdet vielleicht Recht haben, natürlich habt ihr Recht, wenn ihr mich als kleinen traurigen Kloß auf dem Fußboden sitzen seht, wie ich mich selbst bemitleide. Doch dieses Etikett gefällt mir nicht.
Manchmal wünsche ich mir einfach nur etwas Aufmerksamkeit, Freunde zum Beispiel die sich bei mir melden, fragen wie es mir geht, ohne vorher meinen Blog gelesen zu haben, schließlich schaffe ich das auch bei ihnen. Einer von vielen Punkten auf einer sehr langen Liste die mich daran stören weiterhin öffentlich sehr persönlich zu werden, die Arbeit hinter dem Laptopbibdschirm macht einsam.

Wie oft ich mir schon gesagt habe, dass ich einfach aufhören kann, dass mich keiner zwingt diese Person zu sein die ich gerade bin. Wie oft habe ich mir schon gesagt, dass dies hier freiwillig geschieht und ich jederzeit aufhören kann. Und auch, wenn ich euch bei diesem nach Mitleid heuchelndem Beitrag an dieser Stelle zustimmend mit dem Kopf nicken sehe, ganz so einfach lässt sich dieses Rätsel nicht lösen.
Ich kann hiermit nicht einfach aufhören, schon allein wegen mir selbst nicht. Das Schreiben ist meine Therapie, wie ihr vielleicht unschwer an diesen Absätzen erkennen könnt und gleichzeitig meine Art ehrlich zu mir selbst zu sein. Nur wenn ich die Worte aufschreibe, wenn ich ihre Aussage auf dem Papier sehe und die Wahrheit nicht mehr wegwischen kann glaube ich auch daran und gestehe mir selbst meine Fehler ein.

Für mich selbst schreiben kann ich nicht, an dieser Faulheit bin ich schon viel zu oft gescheitert. Und wer wäre ich schon, wenn ich dieses Hobby, welches mir über den Kopf gewachsen ist einfach aufgeben würde? Wenn ich alles was mich ausmacht, das Fotografieren, das Schreiben einfach wegwerfen, löschen würde?
Ein Mensch ist so viel mehr als eine Internetseite, da gebe ich euch Recht. Aber was passiert, wenn genau diese sein Herz füllt?

Das Leben besteht aus vielen Höhen und Tiefen, möchte ich an dieser Stelle noch einmal feststellen, weil wir im Internet oft nur die eine, schönere Seite zu sehen bekommen. Ich bin aber schlecht darin zu lügen, oder unschöne Dinge zu verbergen, weshalb ihr hier gesammelt lesen könnt, weshalb die Suche nach dem Wort „Allein“ 16 Seiten voller Texten auf diesem Blog öffnet und hier bestimmt noch andere negative Buchstabenaneinanderreihungen existieren.
Ich bin manchmal dieses menschliche Wrack welches sich allein fühlt, sich selbst bemitleidet und einfach nur nach einer helfenden Hand sucht die sie aus ihrem Loch wieder herauszieht. Diese kommt aber leider nicht immer, da muss ich oft genug allein durch. Weshalb ich mich wieder allein fühle, falls ihr mich an dieser Stelle noch versteht und den ewigen Kreislauf seht.

Womit ich allerdings nicht allein bin, das sind die beschissenen Tage an denen nichts klappen möchte, oder auch einmal die beschissenen Wochen in denen man am liebsten weinend zu Hause bleiben möchte. Und wenn ich schon einmal dabei bin zu jammern, dann kann ich das auch wenigstens öffentlich machen um mich den perfekt inszenierten Leben anderer Internetpersönlichkeiten gegenüberzustellen, um einfach mal zu sagen „bei mir läuft es auch beschissen“ und um das Wort „perfekt“ im Allgemeinem endlich aus dieser Welt zu streichen. Denn perfekt gibt es nicht, solange wir immer weiter danach suchen.

Freut euch also mit mir gemeinsam auf die 17. und 18. Seite des Alleinseins auf diesem Blog und macht euch einen schönen Tag. Ich werde in der Zwischenzeit noch eine Weile allein unter meinem grauen Schleier bleiben und hoffen, dass die Episode diesmal nicht allzu lang andauert.

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6 COMMENTS
Cheyenne

Wirklich ein guter Beitrag. Es ist schön zu lesen, dass es auch anderen so geht und ich habe wirklichen Respekt vor dir, dass du auch diese Seite öffentlich zeigst. Ich finde das echt toll, weil du sicher für viele eine Inspiration bist und du zeigst einfach, dass auch mal schlechte Zeiten zum Leben gehören. Bitte bleib du selbst und tu das, was dich glücklich macht.

Hallo Katja, ich habe vor einigen Wochen dein Instagram gefunden und binder einigen Tagen auf deinen Blog gelandet und lese immer weiter, jedes mal wo ich auf der Arbeit nichts zu tun habe. Es ist alles so persönlich, ich habe manchmal das Gefühl ich weiß zu viel über dich, obwohl wir uns gar nicht kennen. Es ist unglaublich mutig so viel seiner Seele im Internet zu offenbaren und ich respektiere dich dafür.
Ich finde deine Gedanke bezüglich vielen Dingen so wichtig und das andere Menschen sich auch ruhig darüber Gedanken machen dürften. Ich glaube allerdings auch, dass Leute wie du und ich, die sich viele viele Gedanken über das Richtig und Falsch in dieser Welt machen, häufig zu negativen Episoden neigen(Weltschmerz und sich klein in einer großen Welt fühlen etc.). Ich hoffe dass es dir einigermaßen gut geht, und dass du ein Weg findest dort noch stärker heraus zu kommen.

Aelfie

Hallo du,
Dir hier öffentlich zu antworten fühlt sich wahrscheinlich ähnlich an, wie meine persönlichsten Gedanken im Internet freizulassen, gespannt auf das unberechenbare Echo von den Personen, die von den Worten berührt wurden.
In mir hat sich speziell bei einer Passage ein Widerstand geregt, und Widerstände sind meist die interessantesten Regungen, welche es zu ergründen gibt.
Du sprichst (schreibst) von dir in dunklen Situationen, wo du dir die Hand eines Freundes herbeisehnst, die dich aus deinem ganz persönlichen Tief hinauf hilft.
Hier möchte ich mit dir die Worte teilen, welche ich von außen bekommen habe und immer wiederholen muss um sie irgendwann verinnerlicht zu haben und ihnen das Potential zur Umsetzung zu geben.
Ich bin in jeder Situation mit mir und meiner Verantwortung allein. Das macht mir oft Angst und mir fällt es leichter, schwere Situationen durchzustehen, wenn ich jemanden an meiner Seite habe und mich von meiner Verantwortung, bewusst und eigenständig handeln zu dürfen, ablenke.
Doch gibt es einen Hoffnungsschimmer, denn je öfter ich in den Tiefen meiner Krisen nur mich selbst habe, um mich wieder herauszuziehen, desto stärker komme ich aus der Situation wieder heraus. So verringert sich nach jedem erfolgreichen selbst-bewussten-am-eigenen-Schopf-packen meine Angst vor dem nächsten Loch. Die Löcher verwandeln sich nach und nach vor meinem inneren Auge zu Tunneln, durch die ich irgendwann gerne gehen möchte. Die Dunkelheit in kauf nehmend schreitet mein Wunsch-Zukunfts-Ich durch diese Tunnel hindurch, um auf der andereb Seite das Licht mit neu erfrischter Wertschätzung zu begrüßen.
Stellt sich jedoch ein Tunnel mal als Sackgasse heraus, möchte ich ihn gerne als Höhle sehen und mich darin ausruhen, der Einsamkeit mit meinen Ängsten und Gedankenkarussels hingeben, mit dem Bewusstsein, dass ich jederzeit den Weg den ich gekommen bin wieder zurück ins Freie gehen kann. Schließlich muss mein Weg nicht geradlinig nach vorne führen.

Das klingt alles nach viel Gedankenspiel und gewählten Worten. Ich liebe Geschichten und ich liebe es, mir komplizierte Gedanken mit Bildern zu vereinfachen, da ich meinem Inneren so viel besser Ausdruck verleihen kann. Vielleicht hilft dir dieses Bild auch weiter in schweren Zeiten nie die Hoffnung zu verlieren und Kraft aus dir selbst zu schöpfen, wenn sie dir von Außen niemand geben kann.
Beste Grüße,
eine Voyeurin deiner Reise 🙂

Johanna

Hey Katja,
Ich finde es gehört wahnsinnig viel Mut dazu, so offen über seine Emotionen und Empfindungen zu schreiben, deshalb kannst du unglaublich stolz auf dich sein. Jeder hat einen eigenen Kampf auszutragen, einen Kampf mit sich selbst. Ich denke dieser Kampf sollte nicht vermieden oder bei Seite geschoben werden, er muss, in welcher Form auch immer, ausgetragen werden. Und es ist ein fucking beschissenes Gefühl mit sich selbst zu kämpfen. Aber dieser Kampf hat ein Vorteil: du bist dein eigener „Gegner“ und somit kennst du, besser als jeder andere, deine Schwächen..und viel wichtiger: deine Stärken. Nutze diese, konzentrier dich auf sie, denn sie bringen dich weiter. Du entscheidest, wie lang uns wie heftig dieser Kampf ist. Auch wenn es sich oft nicht so anfühlt, du hast die Kontrolle, und vergiss nicht: die Kämpfe, die wir mit uns selbst austragen, tragen wir in unserem Kopf aus. Das Leben passiert aber in erster Linie außerhalb von dem, was da oben rumspukt. Wenn du dich allein und einsam fühlst, konzentriere dich auf das, was da ist. Denn ich bin mir ganz sicher, dass ein ganz wundervoller Mensch, wie du zu sein scheinst, bestimmt nicht allein ist. Und manchmal, da muss man seinen Lieben einfach ein bisschen auf die Sprünge helfen, denn egal wie gut sie dich kennen, so können sie trotzdem nicht in deinen Kopf hineinschauen.
Cheer up girl und vergiss nicht: es ist dein gutes Recht, traurig zu sein, traurige Tage und Wochen zu haben. Und es ist dein gutes Recht, dich auch mal selbst zu bemitleiden. Aber das wichtigste ist, nie zu vergessen, dass man selbst sein Loch immer wieder verlassen kann – und verlassen sollte. Denn die bunte Seite der Welt ist so viel schöner und fühlt sich so viel besser an.

Feni

Hallo meine Liebe

Ich danke dir für deine ehrlichen Worte, denn mir geht es häufig so und ich habe das große Glück eine Freundin zu haben die mich da unglaublich verständnisvoll durchführt❤
Nur manchmal möchte ich sehr gerne ein Weilchen auf dieser Hängebrücke stehen und mich selbst bemitleiden… oft finde ich dort meine Inspiration und entdecke neue Themen über die ich schreiben möchte (bisher nur für mich, konnte den Mut noch nicht aufbringen es öffentlich zu teilen).
Ich bewundere dich und deinen Mut, versuch einfach die guten Seiten im Nebel zu sehen:)
Liebe Grüße

Rose

hallo lebendes Liebewesen, deine ehrlichen Worten sind wie Balsam auf meiner, und sicherlich auch anderen Seelen. Wie gerne würde man/ich/?? manchmal einfach in dem eigenen Kopf bleiben, nicht raus gehen, nichts rein lassen? Ich will nichts falsches schreiben, aber ist dieser „graue Schleier“ nicht unser größter Feind und gleichzeitig größter Freund? Am kreativsten bin ich, wenn ich mich ganz allein auf dieser Welt fühle. Ist es bei dir auch so?
echter Herzschmerz und diese stechenden Gedanken lassen sich doch leichter aufs Papier bringen, als oberflächliches Gelaber… es fühlt auch echter an.
Ich hoffe du kannst deinen grauen Schleier irgendwann als etwas positives ansehen. Lerne ihn zu nutzen und aus ihm zu lernen. Lass ihn ab und zu kommen, aber lass ihn auch nach geraumer Zeit wieder gehen.
Du bist einzigartig und dein grauer Schleier stärkt dich gegenüber dieser Welt.
aus meinem eigenen Gedankennebel geschrieben, hoffend, dass du es aus deinem Schleier raus geschafft hast,

Rose

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