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        Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde fast ein ganzes Jahr zu Zweit durch Neuseeland zu reisen. Das Internet bietet ein ziemlich breites Spektrum an Texten, welche ich mir damals vor der Abreise durchlas und die mich auf jede Situation vorbereiten sollten. Ich laß alle Geschichten.
        Immer wieder schrieben Paare davon, wie die Reise ihre Beziehung gefestigt hat, wie das Vertrauen immer größer wurde und sie auf der Heimreise immer noch glücklich verliebt waren. Sie schrieben aber trotzdem davon, wie schwer diese Zeit war und ich laß auch einige unglückliche Geschichten.
        Zum Glück musste ich mich nicht mit der Frage herumschlagen, wie es wäre seinen Freund zurückzulassen. Für uns Beide stand schon vor dem ersten Treffen fest, dass wir nach Neuseeland wollen – egal ob allein oder zu zweit. Und während ich mich am Anfang noch darüber freute, diese Reise nicht ganz allein antreten zu müssen, kamen immer mehr Zweifel in mir auf.
        Was passiert, wenn wir uns wirklich trennen sollten? Wenn wir dem Druck einfach nicht gewachsen sind und uns nur noch streiten? Wenn aus dem Auslandsjahr eine Katastrophe wird, oder ich später bereue die Momente wegen einer Beziehung nicht richtig genossen zu haben?
        Die Reise begann also und nach drei Wochen, in denen ich allein durch das Land gereist war, sahen wir uns endlich wieder und kauften ein gemeinsames Auto. Der Start lief richtig gut. Ich fühlte mich an unseren ersten Urlaub zurückerinnert, denn um uns ein bisschen zu testen verreisten wir vorher schon einmal für eine Woche zu Zweit. Wir waren jeden Tag 24 Stunden beieinander und für mich war der erste Monat in unserem kleinen Auto, mit meinem Freund, in Neuseeland der Schönste.
        Dann fingen wir uns an zu streiten. Ich glaube einer der Gründe dafür war, dass unser Geld immer knapper wurde, wir aber trotzdem noch auf seine Eltern warten mussten und nicht mehr richtig wussten, wohin mit unserer Freizeit. Ich für meinen Teil hatte ein bisschen den Antrieb verloren und wusste nicht mehr weiter. In dieser Zeit entstand übrigens auch mein Beitrag über die Enttäuschung der Reise, welche ich jetzt im Rückblick gar nicht mehr spüre, aber dazu später mehr.
        Unsere Streitigkeiten wurden immer kleiner, die Stimmen dafür immer lauter und der Besuch seiner Eltern beruhigte uns schließlich für eine kurze Weile. Wir stritten zwar immer noch ein bisschen, dafür mussten wir uns aber weder um Geld, noch um einen Plan kümmern und konnten die Reise wieder ein bisschen mehr genießen.
        Als wir aber wieder allein waren und dann endlich auch einen Job in Fox Glacier gefunden hatten, wurde das Ganze noch einmal schlimmer als vorher. Wir waren kurz vor dem Ende und wenn wir uns gerade nicht stritten, redeten wir darüber wie es wäre doch auseinander zu gehen. Oder als Freunde weiterzureisen.

        Ich habe oft über uns nachgedacht – und ganz ehrlich? Ich hasse dich.
        Ich hasse dich für deine unendliche Ungeduldigkeit. Dann, wenn du wieder wegen eine Kleinigkeit an die Decke gehst und mich, ohne es zu bemerken, verletzt. Ich hasse es wenn wir uns anbrüllen und am Ende beide betrübt zu Boden sehen. Weil wir uns selbst zerstören in diesen Momenten und trotz unseres Wissens darüber nicht aufhören.
        Aber das ist noch nicht alles. Ich weiß, dass es schwerfällt diesen Dingen ernsthaft ins Auge zu blicken. Es schmerzt und es zerreißt mein Herz. Ich hasse dich und das kann ich nicht oft genug sagen.
        Ich hasse deinen Egoismus. Ich hasse deine Selbstverliebtheit. Ich hasse es dich zu brauchen, ich hasse es dich zu vermissen wenn du gehst. Ich hasse deine Anwesenheit.

        Diese Worte schrieb ich damals und sie tun mir heute noch im Herzen weh. Ich war sehr unglücklich in dieser Phase und hatte Angst davor allein zu sein, oder einen Menschen den ich eigentlich liebe an Neuseeland zu verlieren. Wir versprachen uns zwar immer wieder, dass wir uns zusammenreißen, wieder respektvoller zueinander sind und auch etwas Abstand halten, aber nichts wollte funktionieren.
        Die Sache schien sehr ausweglos, aber am Ende entschieden wir uns einen letzten Versuch zu wagen, vor allem wegen dem gemeinsamen Auto. Wir hatten damals noch einen Monat vor uns und fingen wieder an zu reisen.
        Was soll ich sagen, wir sitzen jetzt Beide nebeneinander und haben uns immer noch nicht verloren. Ich weiß nicht genau, wieso wir auf einmal wieder als Team funktionierten und endlich aufhörten zu streiten. Aber alles was zählt ist, dass wir endlich wieder glücklich waren, beziehungsweise immer noch sind und uns besser kennen gelernt haben. Wir haben uns vor allem immer in den sowieso schon schlechten Momenten gestritten, weil wir nicht mehr weiter wussten und in dem Anderen den Auslöser für die schlechte Lage gesehen haben. Oder enttäuscht waren, dass er auch keine Lösung parat hatte.
        Ich bereue auf keinen Fall diesen Schritt gegangen zu sein, auch wenn alles kurz davor war zusammenzubrechen. Aber im Endeffekt lernt man sich wirklich besser kennen, kann langsam mit den Macken des Anderen umgehen und für mich die wichtigste Lektion – man lernt wie wichtig Freiräume sind und schätzt Zeit allein genauso sehr wie Zeit zu Zweit.




        6 COMMENTS

        Wirklich sehr berührend und sehr schön zu hören, das letztendlich alles geklappt hat. Durch Streit-Phasen geht man auch in Deutschland, aber wenn man aufeinander angewiesen ist, spürt man den Druck wahrscheinlich deutlich stärker.

        Ich bin froh dich in instagram gefunden zu haben ! Du schreibst richtig gut 🙂 #sayhej

        Wow, so ein ehrlicher und intensiver Text – das schätze ich so an dir, liebe Katja! Aber ich bin froh, dass ihr es geschafft habt und nun müssen wir auch endlich wieder was machen, hihi 💕

        Liebe Grüße,
        Hang

        http://hang-tmlss.de

        Danke für diesen ehrlichen Text – ich freue mich sehr für euch, dass es so gut ausgegangen ist <3

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