Ich bin vor einiger Zeit den West Highland Way mit einer Freundin gelaufen. Während wir jeden Tag um die 20 Kilometer durch Schottland wanderten, hatten wir nicht nur viel Zeit um uns mit den eigenen Gedanken zu befassen, sondern haben ständig herumgealbert und uns unterhalten. Im heutigen Beitrag habe ich für euch eher unsere Motivationstiefs zusammengefasst mit Sätzen die wir (viel) zu oft gesagt haben. Nehmt es mit Humor!

1. Mir tut alles weh.

Der Satz, welchen wir Beide wahrscheinlich am häufigsten gesagt haben. Spätestens am Abend, wenn der Rucksack abgesetzt und die Wanderschuhe ausgezogen waren, fingen bei mir meistens die Füße und der Rücken an zu schmerzen. Über die Beine brauchen wir an dieser Stelle wahrscheinlich gar nicht erst reden, oder?

2. Warum machen wir das alles?

Wie oft habe ich mich das gefragt! Ich meine, wer tut sich freiwillig diese Schmerzen an und wie bin ich eigentlich auf die Idee gekommen, ich könnte 154 Kilometer wandern? Warum tue ich mir das selbst an?
Die Antwort darauf war eigentlich ziemlich eindeutig, vor allem wenn wir durch die unglaubliche Natur wanderten, oder im Ziel einfach nur stolz waren. Auf das was wir erreicht haben. Unterwegs, vor dem nächsten Anstieg, sah das jedoch alles etwas anders aus

3. Schau mal dort!

Zu diesem Punkt könnte ich etliche Aussagen hinzufügen. Über ein staunendes „Wow“, bis zum „unglaublich“, oder einfach nur der stillen Bewunderung für die Landschaft. Wir sind so oft stehen geblieben, haben fotografiert oder einfach nur die Natur genossen. Glücklich und mit ausgebreiteten Armen, oder einfach schweigend während einer kurzen Pause auf einem Müsliriegel kauend. Schottland ist einfach unfassbar schön.

4. Der Rucksack ist so schwer.

Brauche ich dieses T-Shirt wirklich? Und wie sieht es eigentlich mit einer Zahnbürste aus? Ich hatte wirklich wenig und nur die notwendigsten Sachen eingepackt, fragte mich aber manchmal dennoch, ob ich nicht einfach Sachen rauswerfen kann, wenn der Rucksack wieder einmal auf den Schultern drückte. Im Endeffekt hätte ich mich tatsächlich weiter reduzieren können, bin aber trotzdem mit vollem Gepäck bis zum Ziel gelaufen. Man muss nur die Zähne zusammenbeißen und an sich glauben.

5. Mir ist kalt.

Tatsächlich war es gar nicht allzu kalt, beziehungsweise „aushaltbar“. Allerdings fing in Deutschland langsam der Sommer an und wir bekamen Bilder vom See und in kurzen Hosen zugeschickt – während wir durch den Regen wanderten.

6. Ich stinke.

Fast 2 Wochen jeden Tag wandern ohne die Möglichkeit zu haben seine sowieso schon begrenzten Sachen im Rucksack zu waschen. Mehr muss ich dazu wohl nicht sagen, oder?

7. Ich bin 80 Jahre alt.

Das dachte sich vor allem unser Körper sehr oft. Ich habe mich lange nicht mehr so unsportlich gefühlt wie in den letzten Wochen. Ganz zu schweigen von Hüftproblemen (ich hatte tatsächlich blaue Flecken vom Rucksack an den Knochen), Rückenbeschwerden und schmerzenden Knöcheln. Sollte man diese Probleme nicht erst im Alter bekommen?

Anmerkung

Das was ich in diesem Beitrag betreibe ist Meckern auf ganz hohem Niveau. Ich konnte mir in der Zeit nichts schöneres vorstellen, als den West Highland Way zu wandern und hätte nicht einmal die tief hängenden Wolken in den Bergen gegen etwas Sonne eintauschen wollen. Diese Erfahrung war wirklich unglaublich und ich bin froh sie erlebt zu haben.
Trotzdem war die Wanderung natürlich kein Zuckerschlecken und manchmal musste der Frust, oder auch das Gejammer einfach heraus. Dann haben wir unterwegs kurz gejammert, sind dann aber weitergelaufen und haben am Ende stolz im Ziel gestanden.
Dieser Beitrag soll nicht mehr und nicht weniger eine kleine Anekdote genau darüber sein, denn wie Lana Del Rey und Stevie Nicks singen „We´re just beautiful people with beautiful problems.“ Wir finden immer was zum Meckern.

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KOMMENTARE

Das hoert sich eins zu eins nach meinen Saetzen auf dem Annapurna Circuit an, koennte noch „Ich bekomme keine Luft“ hinzufuegen. Moechte die Erfahrung aber auch nicht missen.

Die Bilder sind unglaublich geworden. Schottland steht bei mir auch noch auf der Agenda! Liebste Grüße, Lucie

154 Kilometer ist eine ganz schöne Strecke, Respekt! Schöne Bilder habt ihr gemacht, vor allem lachst du so herzlich und ehrlich 🙂
Viele liebe Grüße 🙂