Dez
28
17

6 Dinge die ich auf dem Weihnachtsmarkt gelernt habe

Weihnachtsgefühle wollte ich dieses Jahr haben, also beschloss ich kurzerhand mich einen Monat in die Kälte eines Lebkuchenhauses in Leipzig zu stellen und Pfefferkuchen zu verkaufen. Manchmal kann es so gut tun, einen „einfacheren“ Job zu haben, der einen völlig neue Perspektiven und einen völlig anderen Umgang mit Menschen zeigt, das habe ich schon damals beim Putzen eines Campingplatzes in Neuseeland gelernt. Welche Dinge diesmal ziemlich lehrreich für mich waren erfahrt in in diesem Beitrag.

1.Man verdient schnell einfaches Geld.
Seit der Eröffnung des Marktes stand ich jeden einzelnen Tag 6-7 Stunden in der Kälte, was sich natürlich rentiert. Statt einem Jahresjob auf 450€ Basis, kann man sein Geld auf dem Markt sehr viel schneller und effizienter innerhalb eines Monats verdienen.

2. Es geht immer schlimmer.
Nein, das Haus hatte keine Heizung und nein, wir konnten nicht einmal kurz sitzen. Oft stand ich mit meiner Arbeitskollegin frierend in dem kleinen Lebkuchenhaus und immer wenn wir dachten es könnte nicht mehr kälter werden, oder die Leute könnten nicht mehr unfreundlicher werden, wurden wir eines besseren belehrt. Es ist nur ein Monat, dachte ich mir oft und wünschte mir nichts sehnlicher als einen freien Sonntag.

3. Menschen sind verdammt unfreundlich.
Damit sind wir auch schon beim nächsten Punkt, der sich natürlich nicht auf die Allgemeinheit übertragen lässt. Sehr oft ging mir das Herz auf, als eine kleine süße Omi der Familie Lebkuchen kaufen wollte, aber sehr oft ging es auch wieder zu, während wir weder zurückgegrüßt wurden, wie Diener behandelt wurden, oder sich einfach lautstark über unsere Ware und unsere Preise beschwert wurde, wofür wir natürlich gar nichts konnten. Die Zielgruppe des Weihnachtsmarktes ist vor allem am frühen Morgen sehr unfreundlich, schafft es nicht einmal ein Preisschild zu lesen und hat mich oft alle Nerven gekostet. Aber wie schon gesagt, Ausnahmen bestätigen die Regel und ich versuchte diesen Menschen oft mit noch mehr Freundlichkeit entgegenzukommen, um ihnen zu zeigen wie es auch sein kann.

4. Konsum macht geizig.
Es wurde sich beschwert über hohe Preise, eine kleine Auswahl (und die war bei uns eigentlich sehr groß), über billigere Supermarktpreise und ich fragte mich in dieser Zeit sehr oft, warum Menschen nicht einfach dankbar sein können. Für das was sie alles haben zum Beispiel, denn oft geht es eben auch viel schlimmer.

5. Marktleute sind wie eine große Familie.
Viel zu oft kam unsere Standnachbarin (sie verkaufte Pantoffeln und war deshalb für uns die Pantoffeldame) zu uns herüber, um uns in der Kälte ein paar aufmunternde Worte zu schenken und viel zu oft schwatzte ich in ihrer Toilettenpause ihren Kunden ein paar Schuhe auf. Sie spendierte uns einen Kaffe, wir ihr einen Lebkuchenpantoffel und am Abend half der Bäckermeister hinter uns beim zusammenpacken. Kurz gesagt, wir haben alle zusammen gelitten und mir sind alle Menschen dort sehr ans Herz gewachsen. Vor allem meine Arbeitskollegin, ich finde es immer noch verrückt, dass wir im Dezember jeden Tag zusammen standen, uns alles erzählten und uns jetzt wahrscheinlich nie wieder sehen.

6. Was ist dieses soziale Leben?
Im gleichen Atemzug hing mein richtiges soziales Leben für einen Monat in der Luft und ich traf mich kaum mit Freunden, weil ich einfach keine Zeit dafür hatte. Es war auch eine völlig neue Erfahrung für mich einen Monat wirklich gar keine Freizeit zu haben und viel zu oft musste ich irgendetwas absagen, was ich aber jetzt hoffentlich alles nachholen kann.

Kurz gesagt, es war nicht alles schön, aber wie das so ist nach dem Ende eines Abschnitts, man fängt an ihn in den Himmel zu loben und möchte eigentlich wieder zurück. Ganz so schlimm ist es bei mir noch nicht, aber ich kann mir gut vorstellen nächstes Jahr wieder die knallorangene Weste und Mütze zu tragen, einfach weil es nur ein Monat war in dem man so viel schaffen kann.
Habt ihr schon Erfahrungen auf dem Weihnachtsmarkt gemacht?

Outfitdetails:
Schuhe: Dr. Martens // hier aus Leder (!)
Hose: Armedangels // fair produziert hier
Pullover: Second Hand 
Jacke: Stutterheim (prSample) // hier, in Handarbeit aus nachhaltigem Gummi gefertigt

Vielen Dank an Stutterheim für die Jacke und an Sued Fotografie für die Bilder!

PREVIOUS POST
NEXT POST
Read Comments
Hide Comments
2 COMMENTS
Pauline

Ich kann mir sehr gut vorstellen wie unglaublich kalt es in deinem Stand immer gewesen sein muss.. ich friere schon, wenn ich nur 3 Stunden mit meiner Familie auf dem Weihnachtsmarkt bin und da kann ich ein paar Schritte laufen und was warmes trinken und essen.
Das die Leute teilweise unfreundlich sind ist wirklich schade, wo doch eigentlich Weihnachtszeit und damit die Zeit der Liebe ist… aber manche Menschen sind es leider auch gar nicht mehr gewohnt freundlich zu sein und dass jemand freundlich zu ihnen ist. Deswegen ist es toll, dass du im Gegenzug trotzdem extra freundlich geblieben bist. Vielleicht fällt es ihnen ja mal auf!
Ich kann dir übrigens noch einen positiven Fakt nennen: Bei uns in Magdeburg hat der Weihnachtsmarkt bis zum 30.12 auf! Freu dich also, dass es für dich schon vorbei ist 🙂
Liebe Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Kathrin

Ich arbeite in der Drogerie und die Unfreundlichkeit und ich sag immer so schön „Doofheit“ der Menschen springt mir jeden Tag ins Gesicht, ich hab damit zur Zeit richtig zu kämpfen, vor allem weil es einen selbst so sehr runter zieht, so oft denke ich mir ein einfaches Danke oder Grüß Gott oder Aufwiedersehen würde mir schon reichen, für mich ist das ganz selbsverständlich aber für einen großen Teil der anderen Menschen wohl nicht mehr, zu sehr sind sie abgelenkt von all dem Wirrwarr um sie rum und so richtig bewusst wird einem das Ausmaß dann natürlich erst wenn die Ausnahme vor einem steht und eiinen mit den ganz simplen Umgangsformen glücklich macht.

Add Comment

TYPE AND HIT ENTER