GALLERIES
        GO BACK
        TO MENU

        So lautet die Überschrift eines Artikels welcher mir schon seit Monaten durch den Kopf schwebt. Angefangen hat alles mit einer kleinen Geschichte über Selbstzweifel, über dicke und dünne Frauen, ihre Körper und ihr Selbstwertgefühl. Ein Ende habe ich jedoch nicht gefunden und aus diesem Grund lagerte ich ihn wie viele unveröffentlichte Worte in meinen Entwürfen.
        Vor einiger Zeit dann schrieb mich Laura von Alltagswahnsinn an, ob ich denn nicht an ihrer Blogparade zum gleichen Thema teilnehmen möchte. Ich erinnerte mich an diese unveröffentlichte Geschichte in meinen Entwürfen, kramte sie heraus und versuchte erneut ein Ende zu finden. Es war zwecklos, immer wieder scheiterte ich an meinen eigenen Gedanken.
        Trotzdem schwebt mir dieses Thema ständig im Kopf herum, weshalb ich versuche auf diesem Weg meinen Gedankenzügen etwas Klarheit zu verschaffen. Ich werde versuchen einfach zu schreiben, ohne große Geschichten, ohne Metaphern und hoffentlich ein Ende finden.

        Alles fing wohl an als ich ein kleines Kind war. Ich war immer ein Stück zu groß und auch immer ein kleines Stück zu schlank. Man nannte mich Bohnenstange, rief mir hinterher ich sollte aufpassen nicht zu zerbrechen vor lauter Knochen und sah mich komisch an wenn ich Essen ablehnte oder einmal keinen Hunger hatte. Im Rückblick würde ich sagen, dass das Essverhalten fremde Menschen viel zu schnell urteilen lässt. Etwas dickere Menschen werden komisch angesehen wenn sie einen leckeren Burger in der Hand halten und etwas dünnere Menschen bekommen das Essen schon fast hinterhergeworfen.
        In meinem ersten Entwurf für diesen Text wollte ich genau darüber schreiben, dass nicht nur turbulente, sondern auch schlanke Menschen wie ich, unter der vorschnellen Verurteilung anderer Menschen leiden und sich Vorwürfe machen. Wie soll man denn mit seinem eigenen Körper glücklich werden wenn man ständig gesagt bekommt was falsch daran ist?

        Bei mir war das etwas anders. Ich würde sogar fast sagen, dass ich ein bisschen stolz darauf war als Bohnenstange betitelt zu werden, denn ich fühlte mich wohl in meinem Körper (vielleicht war die Hüfte ein kleines Stück zu breit, aber daran kann man beim besten Willen ohne OP nichts ändern) und dachte auf keinen Fall daran zu schlank zu sein. Nein, ich war glücklich mit mir und meinem Aussehen, mit meinem Körper, meinem Gewicht und allem. Ich konnte essen was ich wollte ohne mich schlecht zu fühlen oder dicker zu werden, was ist das für ein Traum? Von meiner heutigen Perspektive würde ich sagen, dass ich einfach gute Gene habe und der tägliche Leistungssport das Übrige erfüllt hat.
        Vor ungefähr einem Jahr dann habe ich aufgehört regelmäßig zu trainieren und merkte das auch an mir. Die Waage zeigte immer noch eine konstante Zahl, aber, auch wenn sich diese Worte ziemlich komisch anhören, alles an mir wurde etwas weicher und schwammiger. Ich schien trotz aller Hänseleien und ohne großes Fett ein paar Muskeln aufgebaut zu haben, welche jetzt langsam verschwanden. In diesem Zustand fühlte ich mich oft unwohl und habe auch hier schon einmal darüber geschrieben. Oft versuchte ich aber auch diese Gedanken einfach zu unterdrücken und in eine dunkle Ecke zu schieben, ganz nach dem Motto „irgendwann geht das schon weg“ und „die Waage lügt nicht“.

        Es ging nicht weg. Ganz im Gegenteil, der Zustand wurde immer schlimmer. Mit der Ankunft in Neuseeland hörte ich bis auf 3-4 Mal Laufen komplett mit dem Sport auf und das machte sich bemerkbar. Wahrscheinlich spielten sogar mehrere Tatsachen zusammen an meinem Körper. Ich hörte auf mit dem Sport, ich bewegte mich gar nicht mehr viel und ich fing an ziemlich ungesund zu essen (als Backpacker muss man leider auch am Essen sparen, Chips und Popcorn wurden meine besten Freunde).
        Ich merkte jeden Tag wie schlecht es mir selber damit ging, lag am Abend im Bett, fühlte meinen (für mich) dicken Bauch und schwor mir am nächsten Tag weniger zu essen. Natürlich klappte das nicht und natürlich wurde das Ganze ein Teufelskreis. Irgendwann kam dieser Moment in welchem ich mir dachte: „Scheiß egal, du bist jetzt sowieso fett.“ Und dann aß ich weiter ungesund.

        Wozu das Ganze führte? Ich sitze deprimiert vor meinem Laptop und schreibe über meine Lage, in der Hoffnung irgendwas würde sich ändern. Aber das wird es nicht. Ich fühle mich unwohl in meinem Körper und mein Selbstwertgefühl ist trotz schöner Instagrambilder und netter Komplimente komplett im Keller. Eigentlich müsste ich mich freuen von einem Untergewicht in ein wahrscheinliches Normalgewicht gerutscht zu sein, aber mein Körper und mein Kopf wollen sich einfach nicht damit anfreunden. Ich möchte das nicht und ich habe bemerkt, dass nur ich allein daran etwas ändern kann. Es gibt nur ein paar kleine Probleme dabei.
        Ich bin faul und nicht konsequent mit mir, da ich nie auf solche Dinge achten musste oder mich darum kümmerte. Also redete ich mit meinem Freund und erzählte ihm davon. Er tat, was wahrscheinlich jeder gute Freund machen würde und sagte mir, dass ich weder dick geworden bin oder mir Gedanken machen müsste und wunderschön bin. Aber wisst ihr was? All´diese schönen Worte helfen nicht wenn man selbst nicht glücklich ist. Ich muss das Problem ganz mit mir allein klären und eine Lösung finden.

        Das ist sie also, die Geschichte und Perspektive einer schlanken Frau. Ich hadere schon wieder mit dem Ende dieses Textes, aber ich möchte euch noch ein paar Worte mit auf den Weg geben: Hört auf Menschen für ihren Körper zu verurteilen, denn innerlich sind sie selbst meist unzufrieden und eure Worte machen diesen Zustand nur schlimmer. Als meine Mama mir am Anfang meiner deprimierten Phase sagte ich hätte einen dicken Hintern bekommen, hätte ich losheulen können. Und auch wenn ich mich mit Hänseleien wie Bohnenstange oder Körperklaus angefreundet habe, nicht jeder Mensch kann darüber so positiv denken.
        Außerdem möchte ich euch motivieren mit eurem Körper ins Reine zu kommen, denn ihr allein müsst darin leben und nicht Andere, welche ihre Witze darüber machen. Was genau ich unternehmen werde weiß ich noch nicht, wahrscheinlich muss ich wieder Sport machen, denn Disziplin beim Thema Essen habe ich überhaupt nicht. Aber es ist zu einfach einem unzufriedenem Menschen zu sagen, dass er sich wohlfühlen soll, als könnte er einen Schalter in seinem Kopf umlegen und sich auf einmal selbst lieben. Komplimente helfen ungemein um das eigene Selbstwertgefühl zu erhöhen, aber für das Körpergefühl ist jeder Mensch selbst verantwortlich und muss sich seine Ziele und Prinzipien setzen.

        Dafür, dass ich am Anfang noch nicht wusste wohin dieser Text eigentlich gehen soll, hat er eine schöne Länge erreicht. Ich hoffe irgendwo die richtigen Worte für meine Lage gefunden zu haben, andere Menschen zu finden die mich verstehen und Menschen ohne diese Gedanken etwas näher unsere Probleme zu erklären. Denn irgendwie ist dieser ganze Sport- und ich-fühle-mich-wohl-Wahn zu einfach als Lösungsversuch und Selbstliebe kann ich nicht erlangen wenn ich nicht glücklich mit mir bin.

        IMG_1132-2

        7 COMMENTS

        die Situation mit deiner Mutter kam mit echt bekannt vor :/ habe letztes Jahr auf nem Trip zugenommen und bekomme es seit dem nicht mehr weg und meine Mutter hackt auch jedes mal wieder drauf rum, obwohl ich es ja selbst weiß und unzufrieden bin 🙁
        auch wenn es vielleicht nicht hilft, du bist perfekt und wunderschön! <3

        Meine meinte es wie gesagt nur aus Spaß, aber manchmal kommt es eben anders an. Du solltest mal mit ihr darüber reden 🙂
        Liebst, Katja

        Du solltest deinen Körper so lieben wie er ist, egal was andere sagen. Und selbst ein paar frauliche Rundungen sind etwasr wunderschönes. Ich habe selbst Leistungssport gemacht und kenne das Gefühl genau. Genieß deine Auszeit.! Danach wirst du sicher auch wieder Freude am Spot finden und schauen was du isst. Übrigens das mit dem „dicken Hintern “ war ein Kompliment?

        Ich liebe es deine Texte zu lesen, du kannst einfach so gut schreiben!
        Und ich kann super gut nachvollziehen wie es dir im Moment geht und hoffe du findest bald eine Lösung für dich.

        Liebe Grüße
        Johanna von http://www.missrapunzel.com

        Same same! Unterschreibe ich so. Die gleichen Gedanken habe ich auch seit ich in Australien bin und die Disziplin und iwie die Lust am Sport mich verlassen hat, weil man hier einfach so viele andere tolle Sachen machen kann. Hoffe ich bzw. Wir kriegen das wieder in den griff, denn es ist ein absolutes scheiß Gefühl 🙁

        Ich wünsche uns alles gute dabei! Und dir eine wunderschöne Zeit in Australien.
        Liebst, Katja

        Kriegen wir schon hin!
        Danke sehr, wünsche ich dir auch in NZ:}

        Leave a Comment

        Your email address will not be published. Required fields marked *