Dez
19
17

19.11.2017

Ich war schon lange nicht mehr in dieser Bar gewesen, obwohl es absurd erscheint, mich als einen Kenner des Nachtlebens und der Bars zu bezeichnen, aber ab und an treibt mich dann doch die Hoffnung auf ein paar angenehme Stunden zwischen Freunden raus in die Kälte und diese Begebenheit ergab sich auch an diesem Abend.
Durch den kühlen Regen und die eklige Mischung aus Winter und trüben Herbst, machte ich mich also auf den Weg in diese Bar, in der ich schon lange nicht mehr gewesen war, um Freunde zu treffen, welche ich seit langer Zeit nicht mehr gesehen hatte. Gefühle trügen mich in dieser Hinsicht ziemlich stark, denn in der Wirklichkeit hatten wir erst die letzte Woche beisammen gesessen, mir kam es nur viel länger vor, weil ich sie schon beim Abschied anfange zu vermissen.

Auf jeden Fall standen sie noch bei den Garderobenhaken und hängten lachend ihre nassen Mäntel über noch mehr feuchte Kleidung, als ich mich vor der Kälte in die warme und behütete Wärme flüchtete, ich erkannte sie selbst durch das dämmrige Licht in dem Raum sofort. Dich erkannte ich auch, gleich zwei Tische weiter mit alten Bekannten, aber obwohl sich unsere Blicke kurz trafen und ich auch in deinem Gesicht die Erkenntnis sah, ließ ich mir nichts anmerken und machte mich daran die Gruppe an den Garderobenhaken zur Begrüßung in die Arme zu schließen, als kleiner Auftakt für einen herzlichen Abend.
Am Tisch neben dir begann er dann auch, einer dieser Abende an denen man sich fallen lassen kann, an denen man wie ein gebildeter Mensch aus seinem Weinglas schlürft, lacht, gute Gespräche führt und für 5 Minuten einfach nur ohne etwas zu sagen zwischen seinen Freunden am Tisch sitzt, glücklich seufzt und die Zeit genießt, bevor der Kellner eine neue Flasche Wein bringt und man sich in ein neues Gespräch stürzt.

Das Lachen in meinem Gesicht reichte von der einen bis zur anderen Gesichtshälfte, wie immer wenn wir beisammen waren und ich realisierte, dass es tatsächlich Menschen gibt denen ich nicht egal zu sein scheine, denen ich etwas bedeute und dieser Gedanke ließ mir vor Dankbarkeit noch mehr strahlen.
Auch an eurem Tisch wurde der Wein weiter nachgeschenkt, die Stimmung war ausgelassen bis ich bemerkte, dass eure Blicke, vor allem deiner, immer öfter zu uns hinüber schwenkten, bis du schließlich allen Mut zusammen zu fassen schienst und mit deinem Glas in der Hand Gesellschaft bei uns gesucht hast.

Ich stellte dich meinen neuen Freunden vor, wobei mir meine Vergangenheit in Form der alten Bekannten am Nachbartisch zuschaute und ihr habt euch eine Weile gut unterhalten, so wie man den Small-Talk heutzutage führt, über das Studium, den Heimatort, Interessen und das Wetter. Raucherpause hieß es dann plötzlich und wir gingen beide mit hinaus in die Kälte, um nicht in die unangenehme Verzweiflung zu kommen zu Zweit allein am Tisch zurückgelassen zu werden.
Nach 1, 2, Zigaretten der Anderen murmelte ich mich noch tiefer in meine viel zu dünne Jacke unter dem viel zu großen Schal, vielleicht lag es an der Stimmung zwischen uns, als du mich kurz vor dem Reingehen durch ein leichtes Ziehen am Oberarm zurückgezogen hast, genügend Mut und Alkohol für ein Gespräch im Blut.

Aber die Vergangenheit lässt sich nicht einfach auslöschen und auch, wenn ich an dieser Stelle lieber über einen schüchternen Kuss schreiben würde, bleibe ich lieber bei der fiktiven Wahrheit. Denn wer das Vertrauen einmal gebrochen hat, der hat einen Teil ganz tief in meinem Herzen kaputt geschlagen, einen Teil der sich nicht mehr reparieren lässt, schon gar nicht mit deinen Händen die versuchten die Scherben wieder aufzusammeln.
Das war es, was ich versuchte dir durch den Regen zu erklären, meinen Schmerz, meine Eifersucht, mein mangelndes Selbstvertrauen. Du hast aufgehört zu reden mit der Zeit, während ich vor dir stand, als wäre dir bewusst geworden was du damals getan hast und kurz überkam mich das Bedürfnis dich fest in den Arm zu nehmen, wie du so verloren vom einen Bein auf das andere gewippt bist, als wäre ich diejenige die dir Trost spenden müsste.

Humbug, natürlich, und ich riss mich zusammen, das Bild meiner Vergangenheit mit dir und den alten Bekannten war viel zu perfekt, um es zu zerstören und die Gelegenheit zu nutzen, als ich endlich wieder durch die Tür in die Geborgenheit der Wärme trat, zu meinem Neuanfang, keinen Blick zurück auf den Nachbartisch.
Kein Kuss, kein Happy-End, nur ein persönlicher Neuanfang und die Hoffnung auf einen Menschen der meinen kaputten Teil im Herzen sieht und versteht. Darauf haben wir angestoßen.

PREVIOUS POST
NEXT POST
Read Comments
Hide Comments
3 COMMENTS

Add Comment

TYPE AND HIT ENTER